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Verfahrenstheorie: Taxonomie

Wie erschließe ich mir gedanklich und sprachlich Verfahren, damit ich diese kommunizieren und konzipieren, lehren und lernen, anpassen und anwenden, messen und beurteilen kann?

Die Taxonomie ist die Lehre von den Werkzeugen an sich, von deren Beschaffenheit und Besonderheit. Als Werkzeugkunde vermittelt sie aber nicht deren richtigen Einsatz: In der Taxonomie geht es primär um das Verstehen, bis hin zum Durchdringen der Funktionsteile und Prinzipien von Verfahren. Die Modelle, anhand welcher profiliert und damit unterschieden und beurteilt werden kann, richten sich dabei möglichst nah an den elementaren und essentiellen Wirkungsteilen des Prozeduralen und nicht an externen, über- und angetragenen Erwartungen an die Modelle..

Sprich, Verfahren sollten um ihrer selbst willen, aus ihrer Anwendungslogik heraus betrachtet werden und nicht weil bestimmte ethisch-ästhetische Hoffnungen damit verbunden werden.

Die Taxonomie hat somit das Ziel, das Reden - mit dem Zweck des Unterscheidens - über Verfahren zu ermöglichen, um sie letztendlich besser anwenden zu können.

Bestimmung: Was ist ein Verfahren an sich?

Eingrenzungs- und Fokussierungsprozess:

  • Von Verfahren im allgemeinen Sinne
  • zu politischen Verfahren, d.h. der coaktiven und kollaborativen Problemlösung
  • über schriftliche Verfahren oder grundsätzlich verschriftlichbare und damit intersubjektiv vermittelbare Verfahren.
  • bis zu dialogisch partizipativen, damit letzendlich intrinsischen Verfahren.

Prozedurale Verfahrensdefinition

Ein kooperatives Verfahren…

Die Menge an Verfahren umfasst zuerst alle zielführenden Aktionsanleitungen (also auch technische Anleitungen z.B. zum Bau-, Betrieb und Wartung von technischen Anlagen) wie auch Anleitungen, die nur eine Person betreffen (z.B. zum besseren Selbst- und Zeitmanagement). Kooperativ meint darum, dass unser Fokus nur auf jene Prozeduren gerichtet ist, bei dem ein bestimmtes Anliegen nur unter Einbezug von anderen erreicht werden kann (bzw. soll). Auch wenn der Schwerpunkt dabei vornehmlich auf Verfahren liegt, wo dies möglichst aus freiwilligen Stücken erfolgt (Partizipativ), so umfasst „kooperativ“ im Grenzfall auch die erkaufte und erzwungene Mitwirkung. Wichtig ist lediglich, dass Menschen (real oder virtuell) miteinander interagieren müssen (Interaktion).

… leitet einen geregelten Interaktionsprozeß an, …

es werden konkrete Anweisungen gegeben, wer mit wem, wie, zu welchem Zweck, unter Verwendung welcher Ressourcen, wie lange zu interagieren hat. Diese Anweisungen werden i.d.R. vom Moderator umgesetzt und überwacht. Der Grad der Bestimmtheit und Ausführlichkeit (Wohldefiniertheit) kann dabei unterschiedlich vage bzw. präzise sein. Da es sich um soziale Verfahren handelt, also solche, die Menschen und nicht Maschinen oder Tiere interagieren läßt, können und sollen diese Regelung auch nicht mechanistisch bzw. deterministisch sein (z.B. im Sinn von Steuerung und Dressur).

D.h. die Rückkopplung und damit die Freiheitsgrade zwischen Anleitung (umgesetzt durch die Interventionen des Moderators) und der Reaktion der Teilnehmer ist prinzipiell unvorhersehbar, d.h. lose. Ein Verfahren ist also immer nur eine vorgreifende Vor-schreibung (Pre-skription), wie Menschen miteinander kommunizieren sollten. Aber weder Be-schreibung (De-skription) wie sie es faktisch tun werden, noch eine Garantie, daß selbst wenn es so abläuft wie vorgesehen, die erwünschen Wirkungen erzielt werden. Die Kontingenz von sozialen Verfahren ist unberechenbar.

Begriffsvariationen

Analogien und Synonyme

Insgesamt gibt es so viele Begriffe, die auf dem Gebiet der Verfahrenstheorie Schnittmengen aufweisen oder sie schlicht umschreiben. Im Folgenden finden Sie eine kurze Übersicht.

Verfahren

Verfahren - von fahren / führen, „prozedurale Prozeduren“, sind politische Hilfsmittel, sozusagen „Prothesen“.

Verfahren werden nicht um ihrer selbst willen durchgeführt, sie dienen einem bestimmten Ziel. Es handelt sich somit um Instrumente und Techniken, also Hilfsmittel die zu einem bestimmten Zweck entworfen und darum auch nur zu einem analogen Ziel verwandt werden sollten. Nicht das Verfahren, sondern der zugrunde liegende Auftrag steht darum im Mittelpunkt von Konzeption und Moderation (und selbstredend der Evaluation) eines Verfahrens. Idealerweise sollte das Ziel klar und gemeinsam formuliert worden sein und allen Teilnehmern schriftlich vorliegen. Die Unterscheidung zwischen Zweck (wozu) und Ziel (was), Ergebnis (Output) und Wirkung (Folgen), Strategie und Taktik spielt eine wichtige Rolle und sollte darum bewusst gemacht werden. Verfahren sind also überschaubare, operationalisierte und prozeduralisierte Zweck-Mittel-Relationen, beziehungsweise Operationsstrategien. Das Herausarbeiten und Abstimmen von Zweck und Ziel bedürfen in umfassenderen Projekten eines eigenen Verfahrensschrittes. Auch hier gilt die Kontingenzeigenschaft von Verfahren. Denn obwohl sie der Erreichung eines bestimmten Zieles dienen, so können sie, selbst wenn alles optimal verläuft, ein Erreichen desselben nicht garantieren. Vom Anspruch und Wesen sollen also Verfahren zum Beispiel bestimmte Probleme lösen, faktisch können sie allerdings nur eine systematische Bearbeitungsanleitung abgeben. Ein erfolgreiches Verfahren kann darum auch eines sein, was die Grenzen des eigenen Tuns aufzeigt und verarbeiten hilft. Dennoch, Verfahren verdanken ihre Existenz der Hoffnung, dass mehr als ein Abarbeiten an unlösbaren Problemen möglich ist. Da dies auch mit der inneren Einstellung zusammenhängt, mit der man an die Planung und Durchführung von Prozessen geht, sollte bewusst auch nicht von Problemlösung, sondern Zielerreichung geredet werden.

Prozedur

Prozedur - von Procedere (lat. Das Vorgehen/Fortschreiten), dieses Vorgehen ist bei uns im Sinne von „miteinander zusammenarbeiten“ gemeint - Als Oberbegriff für Verfahren im allgemeinsten Sinne von: „Wie soll ich vorgehen damit … geschieht?“ Die Prozedur ist ein Konstrukt. Das verschriftlichte Programm, wie man in dem eigentlichen Prozess vorgehen will.

Prozess

Während ein Verfahren darum immer ex-ante Kriterien einer bestimmten zielführenden Handlungsabfolge benennt, kennzeichnet der Begriff des Prozesses eine ex-post beschreibende Sicht. Prozess wird im Folgenden darum für den gesamten, stattgefundenen Ablauf z.B. eines Verfahrens verwendet. Der Prozess hingegen ist während des Verfahrens. Es ist der tatsächliche Ablauf. Das was real passiert und kann (und tut es auch meist) von der vorher verschriftlichten Prozedur abweichen.

Verfahren können sehr konkret ausformulierte werden oder auch nur mit einem sehr allgmeinen und groben Ablauf versehen werden. Man kann damit jedes Verfahren auf einer Skala von „offen“ bis sehr „bestimmt“ verorten. Je nach Ziel, Zweck, Aktuere, Anlass usw. sind verschiedene Stufen auf der Skala besser geeignet als andere.

Algorithmus

Als intentionale (also einen bestimmten Zweck verfolgende) und soziale (also sich auf andere beziehende) Vorgehensweise lässt sich der empfohlene Ablauf grundsätzlich in Form eines Programms, Fahrplans, einer Anleitung oder einer Regieanweisung festhalten. Der Begriff des in Mathematik und Informatik verwendeten Algorithmus erscheint dagegen für soziale Verfahren als zu maschinell und mechanistisch. Der Freiheitsgrad von Menschen, sich aus unergründlichsten und unvorhersehbaren Gründen doch anders als vorgesehen zu verhalten, ist zu groß und selbstverständlich. Wirksame Verfahren dürfen diese genuine Redundanz nicht verleugnen oder zähmen, sondern nutzen und gezielt anregen.

Ein algorithmisches Verfahren ist bis ins letzte Detail ausformuliert und befindet sich damit sehr am „bestimmten“ Ende der Skala.

Strategie

Damit ein Verfahren noch ein Verfahren und nicht im allgemeineren Sinne eine Strategie ist, muß es aus einem wohldefinierten Programm bestehen. Also vorab festlegen, wer, wann, mit wem, auf welche Art und zu welchem Zweck zu interagieren hat. Sind diese prozeduralen Vorgaben zu offen oder schwammig, so wäre solch ein Verfahren unterdefiniert: auch ein beliebiger und zufällig, reaktiv entstandener Ablauf könnte dann ex-post als Verfahren deklariert werden. Eine Strategie gibt somit eher die grundsätzliche Philosophie und ideale Marschrichtung, den als optimal eingeschätzten Hebelpunkt an. Da im Unterschied dazu, die Taktik eher das Klein-Klein, das spezifische, reaktive und geschickte Handeln im Feld bezeichnet, nähert sich dieses Verständnis des eines Verfahrens, welches sich ja auch bewußter Gedanken ob der konkreten Schritte und des anzuwendenden Hebels macht. Eine Prozedur beschreibt somit zwar die taktischen Mittel, mittels derer die gewünschte Strategie angegangen werden soll, doch im Unterschied zur Taktik ist sie wiederum weniger situativ-reagierend, sondern planend-gestaltend. Während also Strategie und Taktik eher generelle bzw. spezifische Verhaltensweisen umfassen, geben Verfahren schon spezifischer und intentionalere Handlungsweisen vor.

Das Programm legt auch relativ genau, jedoch nicht so minutiös, wie der Algorithmus, den Ablauf fest. Es befindet sich damit mittig jedoch eher zum „bestimmten“ Ende hin auf der Skala.

Dramaturgie

Die Dramaturgie spannt nur den groben Handlungsbogen, einen ungefären Ablaufplan, in dem man schon gewisse Schritte, jedoch noch nichts genaues vor Augen hat. Sie bezeichnet die Prozessdynamik ,die das Verfahren nehmen soll.Sie befindet sich damit eher

Philosophie

Verfahren, die am „offenen“ Ende der Skala stehen, die also sehr wenige geplant sind, werden philosophische Verfahren genannt. Mit Philosophie wird hierbei die innere Haltung bezeichnet mit der man an ein Verfahren herangeht. Diese lenkt das Verfahren und damit die Vorgehensweise in gewisse Bahnen legt jedoch kaum den wirklichen Ablauf Schritt für Schritt fest.

Verfahren als Konstrukt

Ein Verfahren kann als eine Anleitung zur ko-aktiven Problemlösung verstanden werden. Im Vorfeld wird zunächst ein Ablauf festgelegt (Pro-gramm, Pre- Skription). Besonderen Wert wird hier auf das „Vorher“ gelegt. Ein Verfahren ist deshalb vor Allem auch eine Vor-schrift. Das Ziel ist aber nicht, die vorgegebene Struktur algorithmisch zu gestalten, sondern sie so zu verfassen, dass die Anleitung auch „real“ umsetzbar ist.

Designschritte eines MMM Prozesses

  1. Storytelling: sich die Geschichte des Kunden erzählen lassen. Um was geht es? - übertragen in eine Mind-Map
  2. Strategie: Wo setzte ich an? In welchem Bereich liegt das Hauptproblem(Wer, Was oder Wie?)? Um den Prozess nicht zu überfordern ist es wichtig nicht an mehreren Baustellen zu arbeiten sondern sich eine Hauptherausforderung zu suchen und von dieser auszugehen.
  3. Dramaturgie: Spannen des groben Handlungsbogens. In der Strategie haben sich schon erste Ideen ergeben, die nun aufgegriffen werden
  4. Programm:die Dramaturgie wird dann in ein Programm also einen Ablaufsplan übersetzt
  5. Methodendurchspielen:es ist auch wichtig, die Methoden, die man so anwenden will, wie man es sich im Programm überlegt hat zu prüfen, ob sie tatsächlich für den Prozess geeignet sind
  6. Anpassung:Im tatsächlichen Prozess ist es wichtig das Programm und die Methoden auch wiederum an die tatsächlice Situation und vielleicht ungeplant auftretende Ereignisse anzupassen. Schließlich funktioniert ein Programm in der Realität fast nie so, wie geplant. Dann heißt es nicht den Kopf zu verlieren und auch nicht strikt weiter an seinem Plan zu hängen, wenn dieser unpassend wird sondern der Dramaturgie folgend das Programm anzupassen.

Unterscheidung: Wie unterscheide ich Verfahren untereinander?

Wichtig ist, dass die Unterscheidung nach einer essentiellen Betrachtung erfolgt, also nach dem Wesen dessen, was ein Verfahren ausmacht. Das was ein Verfahren ausmacht ist sein anleitender Charakter, sein anleitender Sinn und Zweck.

Nach welchen Dimensionen, auf welche Art und Weise kann ein Verfahren überhaupt anleiten? Nach welchen Kriterien unterscheidet man selbst die Systematisierungen?

  • Nach den Einflussfaktoren auf die man im Verfahren einwirken kann (6- Faktoren-Modell)
  • Nach dem Ort in einem Kontinuum/Spektrum (–> fließender Übergang) nach Zeit bzw. Institutionalisierungsgrad
  • Nach einer bestimmten Einteilung in festes Kategorienmodell, welches Verfahren abhängig von ihrem Einsatzeffekt in „Schubladen“ packt. 

Kategorisierung von Verfahren

Verfahren können anhand der Folgenden vier Einordnungsinstrumente sortiert werden.

Relationierunsmatrix

Anhand des Problemlösungszyklus kann ein Verfahren grob einer bestimmten Problemdimension zugeordnet werden. Auf dem dreidimensionalen Koordinatensystem werden die stärkste und die zweitstärkste Dimension aufgeführt.

Die y -Achse ist die „Wer“ (Akteure) - Dimension

Die x -Achse ist die „Wie“ (Vorgehen) - Dimension

Die z -Achse ist die „Was“ (Thema) - Dimension

Das Modell wird jedoch nur für die grobe Zuordnung so wie oben beschrieben verwendet. Man trägt also nur zwei Werte auf. Tatsächlich kann man natürlich alle drei Dimensionen abtragen und erhält dann eine dreidimensionale Grafik wie unten:

Problemlösungszyklus

Sollen politische Probleme gelöst oder Projekte realisiert werden, so kann man dabei ein immer wiederkehrendes Muster erkennen. Dieses lässt sich in Form eines Kreises, eines Zyklus' visualisieren.

Wir beginnen unten, also quasi bei „6 Uhr“. Hier muss zunächst einmal die Idee entstehen.

Wandert man ein wenig weiter im Uhrzeigersinn kommt es nun darauf an, bei möglichst vielen Personen das Interesse zu aktivieren oder am besten sogar von dieser Idee zu überzeugen.

Hat man dies erreicht, beginnt man Informationen zu sammeln und vor allem unter den aktivierten Personen eine Meinung zu bilden. Hier befindet man sich bei „9 Uhr“.

Nun beginnt im weiteren Verlauf die Austauschs- und Diskussionsphase, während echte Szenarien gebildet und durchgespielt werden.

Dies alles mündet in der ersten Entscheidung bei „12 Uhr“. Hier wird entschieden ob das Projekt realisiert wird oder nicht. Deshalb ist der Zyklus hier auch unterbrochen, weil er entweder weitergeht oder endet.

Wurde eine positive Entscheidung gefällt, beginnt die Planungsphase, in der geplant wird, wie das Projekt nun exakt durchgeführt wird, ehe bei „3 Uhr“ die wirkliche Realisierung beginnt.

Im weiteren Verlauf wird nun als Prozessende evaluiert inwiefern das letztendliche Ergebnis den Erwartungen entspricht und welche tatsächliche Leistungsfähigkeit es hat. Dieser äußere Problemlösungszyklus umfasst verbindliche politische oder unternehmerische Entscheidungsprozesse. Im inneren Ring geschieht praktisch der selbe Ablauf, jedoch auf informeller, selbstorganisatorischer Ebene ohne jede Verbindlichkeit.

Spektren von Verfahren

Verfahren können auch auf verschiedenen Spektren angeordnet werden. Der Unterschied zu den Kategorien liegt in der fehlenden Trennschärfe. 

Zeitraumsspektrum

Mit der Einteilung der Verfahren anhand des Zeithorizontes geht eine unterschiedliche Benennung der Verfahren einher:

Im Folgenden werden nun anhand eines Zeitraumspektrums Begriffe für Verfahren gesetzt. Wir bewegen uns von der Mikro- in die Makroebene:

  • Es gibt Verfahren deren Zeitraum erstreckt sich auf wenige Minuten oder Sekunden. Diese seien Methoden  genannt (Backsteine).                                                                     
  • Bei Verfahren die Stunden und Tage dauern. Diese seinen Veranstaltungsverfahren genannt (Zimmer).                                                                
  • Bei Verfahren die Wochen und Monate dauern: Diese seien Projektverfahren  genannt (Stockwerk).
  • Bei Verfahren die Jahre und Jahrzehnte dauern: Diese seien Organisationsverfahren  genannt (Haus).     

                       

Prozedurale Bausteine

Verfahren im engeren Sinne bestehen aus spezifischen Moderations- d.h. Interaktionsanleitungen. Unser Fokus richtet sich also nur auf eine bestimmte Teilmenge von kooperativen Verfahren, nämlich solchen, die aus mehreren, aufeinanderfolgenden Moderationsschritten (z.B. Begrüßung, Vorstellung, Input, Arbeitsgruppen, Schlußrunde ….) bestehen.

Methoden sind also die Bausteine eines Verfahrens, die erst in ihrer Summe das Verfahren ausmachen. Dabei ist ein spezifisches Verfahren mehr als die Summe der aneinandergereihten Methodenvorschläge (Emergenz). Die spezifische Art und Weise der Anordnung (Dramaturgie) und der zugrundelegende Ansatz der Ausformung und Anwendung (Philosophie) machen das Besondere eines Verfahrens aus, unterscheidet es also von funktional analogen Verfahren. 

Das Konzipieren des für ein Verfahren typischen Ablaufes ist darum vergleichbar mit dem Komponieren eines Musikstückes. Erst durch das Verschriftlichen von Musizieranleitungen in einer Partitur ist die kreative Leistung eines Komponisten/Liedermachers auch für nicht anwesende Dritte (z.B. Dirigenten und Chorleiter Jahre und Meilen entfernt) nachvollziehbar. Die Verschriftlichung von Verfahren  durch eine einheitliche Notation (was wesentlicher Zweck einer Taxonomie ist – siehe hinten), ist darum Basis für eine weitere Professionalisierung und Verbreitung von good-practice und prozeduraler Revolution. So wie eine Partitur Anleitungen an Musiker gibt, wann sie wie ihr Instrument bedienen müssen, so besteht ein Verfahren im Wesentlichen aus der zeitlichen Sequenzierung von schriftlichen Interaktionsanleitungen. Der Moderator fungiert dabei wie ein Dirigent als Ausdeuter und Koordinator dieser terminierten Anleitungen. Ohne das Bild überzustrapazieren, so hat diese Analogie uns viele Erkenntnisse und Aha- Effekte vermittelt.

Methoden-Verfahren

Backstein: Eine Methode ist der kleinste Baustein der Verfahren. Ein Methoden-Verfahren dauert nur mehrere Sekunden bis einige Minuten lang. Diese Verfahren sind die in der Öffentlichkeit bekanntesten, weil sie beispielsweise auch in Schulen oft eingesetzt werden (Brainstorming).

Veranstaltungs-Verfahren

Zimmer: Eine Veranstaltung ist ein Verfahren für welches man mehrere Stunden bis hin zu mehreren Tagen benötigt. Ein typisches Veranstaltungsformat ist beispielsweise ein Workshop oder eine Fortbildung.

Projekt-Verfahren

Stockwerk: Projektverfahren sind Prozesse, die mehrere Wochen bis hin zu einigen Monaten andauern. Die Erstellung dieses Lernbuches war beispielsweise ein Projektverfahren.

Organisationsverfahren

Haus: Der letzte Prozedurale Baustein ist das „Organisationsverfahren“. Diese Verfahren erstrecken sich über einen langen (Jahre bis Jahrzehnte), oft auch unbegrenzten Zeitraum. Deshalb nimmt er unter den vier Verfahren eine Sonderstellung ein. Hier gibt es kein Taxonomisches Modell im engeren Sinne - Vielmehr gibt es ein Modell, welches die Bedeutsamkeit verdeutlicht und Ableitungen ermöglicht.

Institutionalisierungsgrad

Zwischen Improvisation und Algorithmus Verfahren und Prozeduren sind ideale Produkte, die zunächst nur auf dem Papier existieren. Wir sprechen von politischen Verfahren, weil sie gemeinsame, koaktive Problemlösungen beinhalten. Uns interessieren die Verfahren der Partizipation. Es gibt hierfür Spektren, abgestuft nach dem Grad der Wohldefiniertheit, also wie ausführlich eine Beschreibung ist. An den äußersten Rändern befindet sich 'Improvisation' auf der einen und 'Algorithmus' auf der anderen Seite. Letzterer ist im Prinzip nicht Menschen- konform, die Improvisation ist nicht schriftlich fassbar. Uns interessieren die Verfahren zwischen diesen beiden Extremen:  Auf der Improvisationsseite Strategien („Meta Prozeduren“) die eine grobe Richtlinien geben und auf der Algorithmusseite Programme („Standard Prozeduren“) die relativ genau vorgeben, was zu tun ist. 

Die Prozeduren sind Ideal, die konkrete Umsetzung, also der Prozess ist real. Hierbei gibt es eine Kluft („Gap“) zwischen dem Konstruierten und dem Realen. Ziel ist es, Prozeduren zu schaffen, die so robust sind, dass sie sich auch in der Realität bewähren. Sie müssen eine hohe Alltagstauglichkeit haben und nicht illusorisch und undurchführbar sein („Viele Verfassungen sind für den Himmel geschrieben“.)

Faktoren von Verfahren

Unterscheidung nach Medium

Eine weitere Unterscheidung kann nach dem Medium, also der Zeit/Ort Dimension gemacht werden. Verfahren können zur gleichen Zeit am gleichen Ort, aber auch in allen anderen Kombinationen stattfinden. Es ist falsch, hierbei eine strikte Trennlinie zwischen Online- und Offline-Verfahren zu ziehen.

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taxonomie.txt · Zuletzt geändert: 2014/03/21 19:16 von benno
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