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Prozedurologie

Prozedurologie ist ein Kunstwort und beschäftigt sich mit der Frage, was Verfahren sind und wozu es sie gibt. Sie ist dabei horizontal durch alle Disziplinen hindurch und vertikal von Theorie bis Praxis vernetzt.

# Geht aus von der Begeisterung dafür

# Querschnitttsdisziplin - quer durch alle Disziplin - längs: Theorie ind Praxis

# Prozedurale Brille aufsetzen und staunen ob der Fülle

Was steckt hinter dem Verfahrenshaften an sich? Wie kommen wir überhaupt darauf nicht nur die Praxis der Verfahren (also Konzeption und Moderation), sondern des Prozeduralen an sich (Wesen und Wirken) zu betrachten - und zwar auf eine prozedurale Weise?

Gegenstand dieses Lernbuches ist das prozedurale Denken und Handeln, sprich das bewusste und kreative „Spielen“ mit diversen Verfahren und das professionelle, ja meisterhafte Anpassen und Anwenden der geeignetsten Verfahren. Wir gehen dabei von einem „procedural turn“, einem prozedurale Paradigmenwandel aus. Zum einen pragmatisch, da die Fülle an Verfahrensinnovationen es notwendig macht, ein Meta-Wissen über den richtigen Einsatz zu entwickeln. Zum anderen kategorisch, da Menschen Verfahrenswesen sind, ja sich deren menschliches Potential erst in und durch kooperative Verfahren ganz entfaltet.

Wir arbeiten darum in und an der prozeduralen Refolution (T.G.Ash: eine revolutionäre Reform):

  • Der passiven in Form einer technologischen Revolution - eines wahren Innovationsbooms an neuen kooperativen Verfahren und der diese ermöglichenden Kommunikationstechniken - und täglich kommen zig neue dazu! (ein kleiner Vorgeschmack im Toolpool)
  • Der aktiven; denn wir sind der Überzeugung, daß die Dynaxität (Komplexität hoch Dynamik) unserer Zeit den massenhaften und gekonnten Einsatz dieser politisch-sozialen Zukunftstechniken erfordert.

Die Prozedurologie ist die Wissenschaft dieses neuen Zeitalters.

In der Prozedurologie wird darum dieser Paradigmenwandel hergeleitet, begründet und ausgeführt. Die Prozedurologie ist die Lehre und Philosophie des Prozeduralen an sich.

Im Quelltext dieses Lernbuches ist die Prozedurologie noch auf die Einstiegsthemen eines prozeduralen Wissenschaftszugangs und der zugrundeliegenden prozeduralen Anthropologie beschränkt gewesen. In der Fortsetzung des Lernbuch-Kurses - im Frühjahr 2012 - werden nun weitere zentrale Facetten einer prozeduralen Philosophie - die der prozeduralen Logik, Ethik, Ästhetik und Politik - ergänzt.

Woher diese Gliederung:

I. Erster Lernbuch-Kurs - Einstieg

  • Prozedurale Wissenschaft:

Ein pragmatischer Einstieg bietet sich an, da bei Studierenden an herkömmlichen Universitäten zuerst geklärt werden muß, welches das Wissenschaftsverständnis - bestehende wie zukunftsweisende - ist.

  • Prozedurale Anthropologie:

Der ursprüngliche Lernbuch-Kurs-Plan schnitt nur kurz die Prozedurologie um gleich zur Verfahrenstheorie zu kommen. Die Frage nach dem zugrundeliegenden Menschenbild sollte sich aber jeder Wissenschaftler zuerst stellen.

II. Zweiter Lernbuch-Kurs - das Wahre, Gute, Schöne und das Machbare

  • Prozedurale Logik:

Anknüpfend an die prozedurale Wissenschaft empfiehlt es sich auch in der Vertiefung der Prozedurologie zuerst die Frage nach dem wie und wozu Verstehen- und Erklären-Können/-Wollen zu klären.

  • Prozedurale Ethik:

Philosophische Betrachtungen werden nie nur um ihrer selbstwillen gemacht - als Impuls und oft auch als Intention - sind damit Hoffnungen auf Gutes - ein besseres Leben verbunden. Welche Art von Anleitungen zum guten Leben sind involviert?

  • Prozedurale Ästhetik:

Nicht nur wegen des klassischen Dreiklangs wird das Schöne behandelt - die Sehnsucht nach ihr zählt zu den mächtigsten Beweg- und Leitgründen bei der Gestaltung auch und gerade von Prozessen. Eine prozedurale Kunstfertigkeit ist gefragt.

  • Prozedurale Politik:

Darauf läuft die Prozedurologie hinaus: Auf wahre, gute und schöne Weise miteinander Wahres, Gutes, Schönes tun. Dies sinnvolle, schöpferisch Miteinander-Tun/-Gestalten/-Machen ist Mittel und Zweck prozeduralen Denkens und Erkennens. Ein Wissen, was als Können zum Handeln bewegt. In der Prozedurologie - also in diesem Abschnitt - nur vom Grundsatz her - der philosophische Kern des Politischen und der politische Zweck des Philosophischen.

III. Dritter Lernbuch-Kurs

Im ab Sommer 2012 beginnenden 3. Kursabschnitt wird die prozedurale Politik dann runtergebrochen auf einzelne soziale Systeme: wie prozedurale Wirtschaft, prozeduraler Staat, prozedurales Recht. Zum Schluß verlässt die Prozedurologie darum das philosophische Druchdringen, um sich im politischen Anleiten von Reformen zu emanzipieren - ja real zu werden, Realität zu prägen: Die Selbstverwirklichung der Prozedurologie kommt erst mit der dadurch inspirierten politischen Praxis, vor Ort, im Alltag, mit Dir.

1. Prozedurale Wissenschaft

Wissenschaft ist die postmoderne Religion. Durch sie meinen wir uns, unsere Welt und unser Handeln in ihr zu verstehen und damit sie uns zu erschließen. Jeder Versuch eine tiefergehende Analyse des Prozeduralen an sich zu betreiben, muß sich darum zuerst dieser postmodernen Gretchenfrage stellen: Wie halten wir es mit der Wissenschaft?

Wozu Wissenschaft?

Die Anfänge der Wissenschaft gehen zurück auf die Diskussionen in den frühen griechischen Stadtstaaten Wozu dient Wissenschaft? Durch was wirkt sie? Analysiert - sprich zerteilt - sie nur, oder Synthetisiert sie bereits - sprich fügt zu Neuem zusammen - oder gibt es gar etwas drittes? So gibt es z.B. in der Chemie zwei verschiedene Fachrichtungen. Im ersten Bereich untersuchen die Analytiker Substanzen und versuchen ihrer Zusammensetzung auf den Grund zu gehen. Die Synthetiker hingegen mischen Substanzen und kreieren beispielsweise eine leckere Cola.   Wer an einer Universität Politikwissenschaft studiert, lernt viel über politische Theorien und Grundsätze und versteht es, diese genau zu analysieren und zu durchschauen. So erfährt man eine Menge darüber, wie man Problemstellungen wissenschaftlich untersucht und auch selbst empirische Theorien erstellt. So kann man zum Beispiel genaue Erklärungen liefern, wie es zu der in diesem Jahr stattgefundenen arabischen Revolution kam. 

Wie begann es? Rückblick:

1.Ursprung aller Wissenschaften liegt in der Antike 2. Erste Wissenschaft durch Demokratie → Das Ziel der Wissenschaft ist der Erkenntnisgewinn. In der Demokratie geht es darum, durch eine Diskussion eine kollektiv bindende Entscheidung zu treffen. Zum ersten Mal ist das Argument stärker als der Status. Die Entscheidungsfindung ergibt sich durch Diskussion, in der eine Dialektik entsteht: Eine These wird formuliert, jemand widerspricht und formuliert eine Antithese. Daraus entsteht eine Synthese. Durch das Hinterfragen und den Geltungsdrang der jeweiligen Argumente entsteht der Anspruch einer Wahrheitsfindung, die Wissenschaft entsteht.

In der Antike wurde die „Politik“ als die gesellschaftlichen Bedingungen guten Lebens bezeichnet. „Eudaimonia“, die Lehre vom guten Leben, war die Kernwissenschaft schlechthin. Die Griechen gingen davon aus, dass es wenig Sinn macht, zwar das Universum durchdrungen zu haben, gleichzeitig aber auf Grund der politischen Situation in der ständiger Angst leben zu müssen, umgebracht zu werden. Somit kann man die Politik im Gegensatz zur Ethik (individuelle Voraussetzung guten Lebens) auch als die gesellschaftlichen Bedingungen vom guten Leben bezeichnen. 

Antike: Eudaimonia vs. Sophismus

Den Gegensatz zur „Eudaimonia“ stellte der Sophismus dar. Diese Lehre bestand darin, die Wissenschaft, unabhängig von Recht (also Wahrheit), durch ausgeklügelte Argumentation (Rethorik) gut darzustellen. Am Ende ging es also nicht um Wahrheit, sondern nur darum, wer seine Ansicht besser verkaufen konnte. Sokrates war einer der stärksten Gegner dieser Bewegung, da sie die Wahrheit verdrehte.

# Gutes leben nur in und durch das Gemeinwesen möglich

Neuzeit

Aus der Neuzeit gingen weitere Formen des Zusammenlebens hervor, die unter die Kategorie Politik fallen. Insbesondere die Deutschen waren für die Entwicklung gut durchorganisierter Städte bekannt und waren als Siedler überall gerne gesehen. Dort wo sie hinkamen gründeten sie ihr „little Germany“. 

Und heute? Status quo

Der Status Quo in der Politikwissenschaft richtet sich also vor allem auf das „Verstehen“ von Problematiken, ist analytisch. Dies gilt nicht nur für die Politikwissenschaft, sondern für die aktuelle Wissenschaft im Allgemeinen. 

Woran krankt unsere Wissenschaft? Selbstanalyse

Die Wissenschaft ist meistens eine vorrangig untersuchende, analytische - basiernd auf Datenanalyse von möglichst leicht verfügbaren und digital korrelierbaren Datensätzen. Forschung und Lehre sind demnach „empirisch“. Die heutige Wissenschaft hat häufig Ziele und keinen Zweck. Was ist aber nun, wenn es daran geht, für die untersuchten Probleme Lösungen zu finden? Kann ein durchschnittlicher Politikwissenschaftler beispielsweise in einem arabischen Staat, wo ein Despot der Jahrzehnte an der Macht war, gerade abdanken musste, mithelfen eine neue Verwaltung aufzubauen? Kann er allein mit seiner Analysefähigkeit richtige Entscheidungen für die Zukunft treffen und eine Handlungsanleitung geben?

# Publish or perish # Selbstbezügliche Wiss: kennzahlen getrieben: Zitierung/A-Journals und Drittmittel-Akquise  # Sinnentleere Wiss - ohne Zweck, nur noch Ziele 

Was brauchen wir für eine Wissenschaft?

Was hilft es, wenn man nur versteht? Ein Verstehen muss eigentlich in der Praxis stets auch ein Verändern und Gestalten führen. Im Kern soll Wissenschaft doch dafür da sein, die Lebensbedingungen zu verbessern, dazu beizutragen, dass man etwas zum Positiven verändert. Hierfür kann man Hilfsmittel hinzuziehen, hier seien sie „Prothesen“ genannt. Diese Hilfsmittel zu erstellen, das ist die Aufgabe der Politikwissenschaft und der Kern der Prozedurologie.  Außerdem muss die Wissenschaft, wie bereits Sokrates forderte, etwas Wahres vertreten und generell ein Hilfsmittel eben für die Gesellschaft sein.

Hin zu einer prothetischen Wissenschaft

# Klassisch: Dialektische: These - Anti-These = Synthese # ST nur gedanklich - reicht nicht # Pro-Thesen 1 Krücke 2 Pro Positiv, hilfreich 3 anpacken, hinwendend, aktiv # Wiss aus diesem theoretischen Getto raus auf die Straße in das Leben - muß gestalten wollen # Wie gestalte ich? # Prozeduraler Turn / Wiss

Vom Verstehen zum Gestalten

Die hier vertretene Vorstellung von Wissenschaft stellt sich auch gegen die neuzeitige Form, die, vergleichbar mit einem Seziersaal, eben vor allem darauf aus ist, möglichst gut zu untersuchen, also zu sezieren. Daraus werden dann keine Prothesen und Behandlungsmöglichkeiten entwickelt, die die Lebensbedingungen verbessern. Das Analysieren ist notwendig, aber nicht hinreichend für die Wissenschaft. Wissenschaft muss auch die Lösung beinhalten.

# Wozu Wahrheit? Stufenfolge: Geltungsanspruch - richtig - wirklich - wahr - weise(n)

# Prozeduraler Wahrheitsbegriff wahr ist nicht, sondern wird - und zwar durch mich und dich homo faber - gestaöterische Freude

Prozedural Denken

FIXME

Prozedural oder Prozessual? Handlungsorientierungen

FIXME

Quirin hat sich dies noch vorgenommen :-)8-o

2. Prozedurale Anthropologie

Wer bin ich? Was für eine Art von Wesen ist dasjenige, welches hier Untersucht und - in Form seiner co-aktiven Handlungen - untersucht wird. Die Anthropologie, als „Lehre vom Menschen“ bestimmt, welche Fragen ich wie wem stelle. Jeder Wissenschaftsansatz ist darum von einem ihm typischen Menschenbild geprägt. Deshalb ist es wichtig, darzulegen, welches Menschenbild der Prozedurologie zugrundeliegt. Damit wird das eigentliche Fundament des prozeduralen Paradigmas gelegt, welches es zu verstehen gilt, will man diese Philosophie lernen oder kritisieren. Von diesem Kapittel erschließt sich der Rest eigentlich von selbst.  

Der Mensch ist ein Wesen, das die Fähigkeit besitzt, Zeit und Raum in das Hier und Jetzt zu holen. Existenziell ist hierbei die Unterscheidung zwischen dem Ist- und dem Soll-Zustand. Ein Leiden entsteht dort, wo etwas nicht so ist, wie es sein soll. Hier knüpfen Prozeduren an: was kann getan werden, damit der Soll-Zustand erreicht wird?

Woher können und brauchen wir Verfahren?

Aus dem Überlebensdrang heraus entwickelte der Mensch spezielle Prozeduren: Als Beispiel sei hier Arnold Gehlen hinzugezogen, der es als entscheidend ansieht, dass der Mensch ein „Mangelwesen“ ist, der alleine nicht überleben kann und ständig in Korrespondenz mit anderen Menschen und deren Innovationen sein Überleben sichern muss.  Bestes Beispiel für dieses Menschenbild ist die Geschichte von Robinson Crusoe, der als Schiffbrüchiger auf einer einsamen Insel landet und die dortige Natur domestiziert um zu überleben. 

Wozu Verfahren?

Die Verfahrenstheorie beschäftigt sich mit der Handwerkskunde für soziale Prozesse. Während in den Bereichen “Natur” und “Menschen” eine nie da gewesene Entwicklung stattgefunden hat, tappt man bei den Techniken, die das “Soziale” betreffen, immer noch im Dunkeln. Reformen werden meist nur auf gut Glück durchgeführt. Es fehlt eine geeignete Wissenschaft von der politischen Handwerkstechnik.

Wozu gibt es Verfahren?

Die obige Grafik zeigt das “Weltbild des Prozeduralen”. (thick description). Das ES ist alles Nichtmenschliche, also die natürliche Umwelt. Das Eingreifen in die Umwelt ist nicht mit Skrupeln verbunden, da das ES technisch-rational verarbeitet wird. Das Verhalten der Umwelt ist berechenbar und durch das Anwenden von Gesetzmäßigkeiten prognostizierbar, eine grundsätzliche Erforschbarkeit besteht. Auf der DU-Ebene geschieht die Interaktion mit dem Umfeld. Wenn man eine Veränderung wünscht, braucht man oftmals andere Menschen, die einem bei der Umsetzung helfen. Hier spiegelt sich das antike Verständnis von Politik wieder: Politik wird als Anliegen begriffen, das man weder alleine noch sofort lösen kann. Sofern man die Menschen, die man benötigt, um ein Ziel zu erreichen, menschlich behandelt, wird diese Interaktion sehr komplex: man muss auf Stimmungen, Gefühle, Ängste achten, auf die Unterschiede zwischen den Menschen und auf den jeweiligen, sehr spezifischen Willen der Menschen. Adäquates Behandeln des Umfelds erzeugt also eine sehr viel größere Komplexität als die Intervention in die Umwelt. Ethische Fragen sind hierbei, was man mit seinem Umfeld und seiner Umwelt tun darf und was nicht. Sklavenhaltung ist kein adäquates Verhalten gegenüber dem Umwelt, Umweltverschmutzung ist kein adäquates Verhalten gegenüber dem Umfeld. Jedoch besteht natürlich die Versuchung, diese Verhaltensweisen anzunehmen, um schneller an sein Ziel zu kommen. In diesem Moment besteht die Gefahr der Instrumentalisierung und der Entwürdigung des Umfelds beziehungsweise der Umwelt. Die jeweilige Zielsetzung geschieht aufgrund einer Mission und einer Vision. Die Mission ist hier eine Not, die entdeckt wird und der Wille, dass Maßnahmen getroffen werden sollen, um diese Not zu lindern. Die Mission stellt die Daseinsberechtigung und das Selbstverständnis einer Prozedur dar. Die Vision besteht dagegen aus einer Imagination; der Vorstellung, wie es sein wird. Visionen sind immer emotionsgeladen, eine berühmte Vision wird in der „I have a dream“-Rede von Martin Luther King hergestellt. Um sein Ziel zu erreichen, kann man verschiedene Ebenen seines eigenen Horizontes ansprechen, aus denen man mobilisiert. Auf der Intra-Ebene befinden sich Ressourcen, die man schon besitzt. Auf der Extra-Ebene befinden sich Ressourcen, die man kennt und auf der Inter-Ebene befinden sich die Ressourcen, die man nicht besitzt auch nicht kennt: hier beginnt das Neuland. Nur der Mensch kann sich Dinge “vorstellen”, also eine Imagination haben. Er kann seine Vorstellungen wahr werden lassen, weil der Mensch ein Wesen ist, welches den Wunsch und die Fähigkeit hat, Zeit und Raum zu beherrschen. Menschen stören sich daran, dass das, was sie sich wünschen, nicht wahr ist und versuchen, es wahr werden zu lassen. Metaphorisch gesprochen ist der Mensch mit der Imagination der “Architekt” des Wunsches. Er bedient sich seines Umfeldes und seiner Umwelt um Konstrukteure und Ressourcen für sein Vorhaben zu gewinnen. Das Prozedurale beginnt dann, wenn man Anliegen weder alleine noch sofort lösen kann. Ziel ist, Das was man sich vorstellt, wahr zu machen. 

Exkurs: Ordnungslehre

Unterschieden wird zwischen einem transzendenten und einem immanenten Teil der Ordnungslehre. In der transzendenten Welt soll das Diesseits mithilfe des Jenseits beeinflusst werden. Hier wird kaum oder gar nicht technisch-rational in das Geschehen eingegriffen, sondern durch Beeinflussung einer nicht-weltlichen Macht (gebete, Feiern). Durch zunehmende Säkularisierung wird die transzendente zu einer immanenten Welt. Da der Mensch sieht, dass er seine Ziele selbst erreichen kann, in dem er in bestimmte Dinge eingreift, verbraucht er von nun an weniger Energie damit, seine Ziele durch die Beeinflussung des Jenseits zu erreichen. Die Ordnungslehre von oben nach unten ist gegliedert. Ganz oben stehen die beiden Welten (immanent/transzendent). Darunter befinden sich die Schöpfungen, also etwa die Natur, der Mensch, die Gemeinschaft und die Gesellschaft. Unterschieden wird zwischen der primären (gegebenen) und der sekundären (vom Mensch geschaffenen) Schöpfung. Eine primäre Schöpfung ist die Natur, in die der Mensch durch naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinn eingreifen kann (Medizin, Agrarwissenschaft). Unter sekundärer Schöpfung wird das verstanden, was durch den Menschen erst entstand, etwa ein soziales System mit seinen verschiedenen Funktionssystemen (Recht, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik). Die sekundäre Schöpfung besteht aus autopoietischen Systemen. Weitere Ausdifferenzierungen geschehen in Disziplinen (Landwirtschaft), Künsten (Ernten) und schlussendlich Techniken (Mähdrescher). Die Parallele der beiden Schöpfungen ist, dass beide systemisch und autopoietisch sind. Der Mensch hat gelernt, in die primäre Schöpfung einzugreifen und beispielsweise den Pflanzen das gegeben, was sie brauchen, um dem Menschen als ertragreiche Nahrung zu dienen. Jedoch hat auf dem Gebiet des „Sozialen“ eine solche Professionalisierung noch nicht stattgefunden. Genau hier setzt die Prozedurologie an. Die Frage danach, was einer Gesellschaft dienlich ist, steht hier im Vordergrund.

3. Prozedurale Logik

Nur wer richtig schließen - herleiten, argumentieren, begründen und folgern kann - kann tiefer und breiter denken und handeln. Darum begann und beginnt eine prozedurale Wissenschaft mit einer Prozzedurologie und darum diese im systematischen Teil mit der Frage nach deren eigener Logik. Wie tickt das prozedurale (Nach-)Sinnen selbst? Muß ich gar eine eigene Logik darauf anwenden? Müssen wir anders denken und schließen, um die prozedurale Wahrheit, also jenes Spektrum der Realität, was aus co-gestalterischen Prozessen besteht, zu erfassen?

Geschichte

Antike

Bei der Geschichte der Logik beginnen wir mit der Antike. In Griechenland gab es viele kleine Poleis , die zwar voneinander unabhängig waren, aber gewisse gemeinsame Werte hatten. Aus diesen Keimzellen der damals schon sehr demokratischen Art der Politik, entstand die Logik als Form des richtigen Schließens, des richtigen Redens und des richtigen Argumentierens. Meinungen wurden nicht nur aufgrund des Standes desjenigen, der sie äußert, für wahr befunden, sondern allen mündigen Bürger stand das Recht zu, die Wahrheit für das eigene Wort zu beanspruchen. Aus der Notwendigkeit des Diskurses entstand die moderne Wissenschaft. Ein wichtiger Mann in diesem Prozess war Sokrates, der sich all diese Fragen stellte und die Leute darauf brachte, sich selbst Gedanken über richtig und falsch zu machen. Diese Fragen werden heute vor allem in der Philosophie behandelt, die heutzutage jedoch fast einem „Ghetto“ gleicht, weil sie in den anderen Wissenschaften vermeintlich keinen Platz haben. Später entwickelte Aristoteles eine Basis an aufeinander folgenden logischen Schlüssen. Hier endete jedoch auch die antike Philosophie der Logik, weil sie in der sogenannten logischen Sackgasse gefangen wurde. Durch Schlussfolgern ist man so tief in logische Erklärungen eingedrungen, dass das Wahre, also quasi das Leben, verloren gegangen ist. Ohne die Lebensgrundlage war auch die Basis für die Logik nicht mehr existent. Dies hatte im weiteren Verlauf auch zur Folge, dass die Demokratie und die Republik verworfen wurden und die europäische Zivilisation, politisch gesehen, einen Rückschritt machte.

Neuzeit

In der Moderne um 1900 entwickelt der Mathematiker Frege eine neue Logik. Sie gestaltet sich wie eine universelle Sprache (linguistic turn). Zu dieser Zeit gab es große wissenschaftliche und gesellschaftliche Umwälzungen. Sprache und Logik wurden gleichgesetzt und von nun an konnte man einen Text auch logisch auseinander nehmen. Hieraus entstand der Hang dazu alles immer in Zahlen erfassen zu wollen. Diese Konsequenzen des linguistic turn ist eine Engführung auf die heutige formale, mathematische Logik. Dies führt uns aber, ähnlich wie die antike Stoa, in eine Sackgasse.

Deshalb brauchen wir eine prozedurale Logik. Eine Logik, die eine Handlungsanleitung ist. Durch einen „procedual turn“ soll dies erreicht werden. Es geht darum, dass Logik ein Verfahren ist.

Mythos

Das Entscheidende bei Mythen ist nicht, ob sie wahr sind, sondern ob sie wirken. Ein Urmythos ist, dass Erkenntnis nicht gleich gutes Leben bedeutet. Man geht davon aus, dass es sowohl Anfang als auch Ende gibt, weil vom Baum der Erkenntnis gegessen wurde. Das Gute und Böse wurde hierbei zum ersten Mal voneinander unterscheidbar. Es gibt immer eine Entscheidungsmöglichkeit – man kann Gutes (oder Böses) tun, muss es aber nicht. Heute haben wir eine rationalistische Logik. Wenn man logisch korrekt und konsistent schließt, kann man unter Umständen Wissen erhalten, das gutes Leben hervorbringt und ermöglicht. Der Gegenmythos hierzu ist der Urmythos von Christentum/Judentum: Wir können unterscheiden, aber ob wir das umsetzen können ist nicht vorausgesetzt.

Procedural Turn

Wir brauchen einen Paradigmenwandel ähnlich der Tradition Hegels. Die Wissenschaft muss komplett umgekrempelt werden und sie muss anleitend werden für Hände und den Mund. Dabei muss das Gute, Wahre und Schöne hervorgebracht werden, oder, besser gesagt, diesen Idealen angenähert werden.

Was ist dabei nun Logik? Eine prozedurale Logik muss ein Schließen ermöglichen, was bereits den Wunsch legt, auch wirklich aktiv zu werden. Sie muss auf der einen Seite das Rationale und auf der anderen Seite das „menschlich sympathische“ Bild enthalten. Aus diesen beiden Elementen bestehend kann sich die prozedurale Logik frei entfalten und das Motto der heutigen Logik Erkenntnis ist Leben umsetzen.

Tradition des Paradigmenwandels nach Kuhn

Thomas S. Kuhn, ein US-Amerikanischer Wissenschaftstheoretiker war der Ansicht, dass Revolutionen stets einhergehen mit einem Paradigmenwechsel: Zunächst gibt es ein vorherrschendes wissenschaftliches oder gesellschaftliches Paradigma, Anomalien zu diesem Paradigmen führen, wenn sie sich häufen und nicht durch geringe Abwandlung des Paradigmas beseitigt werden können, zu einer Krise und schließlich zu „Wissenschaftlichen Revolutionen“, die mit einem neuen Paradigma enden. Beispielhaft kann hier die Kopernikanische Wende vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild genannt werden.

Paradigmenwechsel heute

Ein Paradigmenwandel würde die Wissenschaft befreien von der Gefahr der logischen Selbstverliebtheit. Die Gefahr des Logischen nach der gängigen Auffassung liegt darin, dass ich mich nicht mit der Realität auseinandersetzen muss. Man eröffnet sich selbst eine in sich konsistente Argumentation, wie sie oft bei den Philosophen zu finden ist. Sie muss aber nicht zwingend wahr, weise oder handlungsanweisend sein. Es fehlt das „So what?”. Wir benötigen also eine neue Logik die diese Klippen umschifft.

Neue Logik

Eine Prozedurale Logik muss eine Gedankenanleitung sein. Auch Logik ist ein Verfahren und eine Anleitung des Denkens. Es muss dabei aber auch Lust machen, es praktisch anzuwenden. Eine prozedurale Logik ist nicht nur eine Anleitung prozedural zu denken sondern auch die Konsequenzen daraus zu ziehen und insbesondere anzugehen. Somit ist sie eine Logik höherer praktischer Ordnung. Es beginnt bereits damit, dass man sich durch sie bewusst wird, wie groß die Versuchung ist, sich in logischen Gedankengebäuden zu verlieren. Doch wie sieht eine solche Logik im Detail aus?

Gedankliche Prothese

Die klassischen Wahrheitslehren sind immer Dreiecke - These-Antithese-Synthese. Man stellt eine Behauptung auf, eine zweite und zieht daraus eine Schlussfolgerung. Die Spannung zwischen den beiden Thesen wird durch die Schlussfolgerung kommt es zu einer Aufhebung der Diskrepanz.

Von prozedural Logisch zu prozedural Dialektisch

Der Ursprung des Logischen liegt eigentlich in der Dialektik. Darum wollen wir dahin zurück. Wir brauchen eine Wahrheit, die uns hilft unser Gemeinwesen in den Griff zu bekommen. Die ersten dialektischen Anregungen sind Dialoge wie sie Sokrates gerne führte. Dabei entstand die Position des Klägers und Verteidigers. Im politischen Sinne bezeichnen wir dieses Verhalten als Rede und Widerrede. Durch Hegel wurde die Dialektik modernisiert. Er machte aus der Logik wieder die Dialektik im ursprünglichen Sinne. Dies führte zu:

  • Beendigung des Grundkonflikts
  • Der Widerspruch als fruchtbare Spannung blieb bestehen
  • Die Spannung wurde auf eine höhere Ebene erhoben

Diese drei Dinge passieren, darauf macht uns Hegel aufmerksam, und wenn sie wirklich passieren, haben wir eine gute Conclusio (beispielsweise Sexualität). Betrachtet man es dialektisch in diesem dreifachen Hegel'schen Sinne führt uns das zu einem vierten Begriff: Der der Prothese (z.B. Ehe, um das vorige Beispiel fortzuführen), um das alles zu erreichen.

Prothese

Zerlegen wir das Wort PROthese erst einmal in seine Bestandteile: Pro bedeutet „für“. Es ist ein Vorsatz. Das Bild der Prothese sagt letztendlich, dass etwas, z.B. ein Teil des Körpers, nicht funktioniert. Wahr ist nicht, wahr wird. Aber wie wird es das? Die Antwort ist einfach: Durch UNS. Dieses UNS ist sozusagen die Prothese, die es möglich macht das Gute, Schöne, Wahre zu leben. Miteinander anstatt alleine. Die Prothese ist eine mutige, anleitende, einladende Aussage und gleichzeitig der Vorschlag mit anderen umzugehen. Erst damit ist die Logische Kette geschlossen, da sie auch praktisch umgesetzt ist.

Begriff der Politik

Politik verstehen wir als die gesellschaftliche Bedingungen guten Lebens.

Message

Wenn wir eine Wissenschaft haben wollen die das Gute, Wahre und Schöne enthält brauchen wir eine neue Logik, die sowohl konsistent aber auch konsequent ist.

Diskrepanz und Spannung

Die Logik dient dazu uns aufmerksam zu machen, dass wir in einer Welt der Widersprüche, der Diskrepanz und Spannung leben. Dies wird erreicht, indem Aussagen logisch auseinander nimmt. Sie ist also aufklärend, indem sie uns zeigt, was die wirkliche Aussage ist und abklärend indem sie aufzeigt, was wirklich hinter dieser Aussage steht.

Warum brauchen wir Logik?

Für die Menschen ist das Schöne, Wahre, Gute wichtig (natürlich in einer Normalsituation). Wir haben ein Bedürfnis, dass gewisse Dinge in sich geschlossen und ganz sind. Menschen haben eine Sehnsucht, Sachen zu vervollständigen. Dafür steht die Logik, nach diesem Akt der Vervollständigung. Wenn eine Schlussfolgerung falsch ist, erscheint uns das nicht vollständig. Folglich benötigen wir eine geschlossene Logik, die vollendet ist. Dabei beachten: DAS Gute, DAS Wahre, DAS Schöne ist Singular.

4. Prozedurale Ethik

Das Gute kommt nicht von selbst in die Welt, es wird erst geschaffen. Von wem und wie? Alleine oder nur gemeinsam? Und woran erkennen wir (vorab, während und danach) was jetzt Gut war und was wir für das nächste Mal daraus lernen sollten. Die Ethik gibt einer Prozedurologie erst ihren Sinn. Sie teilt uns mit, wozu wir das Ganze machen und knüpft damit an den pragmatischen Eintsiegsteil der prozeduralen Anthopologie an.

Wesen des Ethischen

Ethik ist im allgemeinen Sinne zuerst einmal nur die Lehre des „Guten“ - doch im prozeduralen Kern, bereits aus der Antiken stammenden Herkunft, eigentlich schon immer politisch, nämlich die Lehre des „Guten Lebens“. Wenn Ethik praktisch wird, verwandelt sich die Lehre in eine Moral - sie sind die zwei Seiten der Frage nach dem Guten. Moral ist die gelebte Form der Ethik, die gesellschaftlich Anerkannte, weshalb die Moral im Alltag eine größere Bedeutung hat.

Doch wann ist etwas Gut? Prozedural gesehen, wenn mein Handeln heute und in vielen Jahren, von nahe- und fernstehenden Betofffenen als Gut empfunden wird. Kurz, wenn die Leute sagen: „Super gemacht!“

Einführung

Die Ethik ist eine Lehre die wir den Griechen zu verdanken haben. In der griechischen Denkweise ist das „gute Leben“ als Individuum nicht möglich, es kann nur im Kollektiv erreicht werden, bei den Griechen in Form einer Polis. Insofern ist Ethik also schon im Kern politisch und die Politik im Kern ethisch. Doch dies ist uns nicht nur von den Griechen bekannt, sondern beispielsweise auch vom christlich/jüdischen Kulturkreis. Auch hier ist die Begründung des Politischen ethisch. Hier wird der Staat grundsätzlich dadurch begründet, dass sich nicht immer der Stärkere (Brutale) gegen den Schwächeren durchsetzen darf. Ohne einen Staat, der Gesetze aufstellt, würde es aber genau dazu kommen. Die Witwen und Waisen stehen hier prototypenhaft für die Menschen, die sich ihr eigenes Recht nicht verschaffen können. Die Politik war dafür da, zu verhindern dass sich die Starken und Rücksichtslosen durchsetzen, was ja ein durchaus ethischer Hintergrund ist.

Wozu Politik?

Hinter der Ethik steht grundsätzlich die Frage: „Wofür leben wir eigentlich?“. Damit stellt sie auch die Politik in Frage, weil die Politik ja das gute Leben sicher stellen soll. Hier stellen wir unterschiedliche Strömungen fest. Wir beginnen dabei wieder mit den Griechen. Dort gab es das Bild der Eudaimonia, der Vorstellung des „guten Lebens“. Es war dabei ganz klar, dass dies nur in einer Gesellschaft der Gleichen möglich ist. Grundsätzlich anders ist aber zum Beispiel das amerikanische Verständnis von „gutem Leben“. Die Floskel „persuit of happiness“ steht für die Sehnsucht des Menschen sein eigenes Glück zu machen. Das ist ein deutlich anderes Verständnis als das der Griechen, da hier die Menschen nicht die gleichen Präferenzen haben, sondern jeder auf seine eigene Art und Weise sein Leben individuell gestalten und damit glücklich werden soll. Wiederum anders gestaltet sich diese Vorstellung bei der französichen Revolution: Hier dreht es sich um abstrakte Begriffe (Freiheit, Gleichheit, Brüderlicheit), die Ausdruck von Menschen- und Bürgerrechten sind und eben nicht so greifbar wie „happiness“ (Glückseligkeit). In der aktuelleren Zeitgeschichte, wie zum Beispiel beim Fall der Mauer, steht die Sehnsucht nach dem Wahrhaftigen im Vordergrund. Die Menschen in der DDR wollten nicht mehr öffentlich lügen müssen, sondern sagen dürfen, was sie wahrhaftig denken.

So unterschiedlich diese Vorstellungen sein mögen, sie eint aber ein Grundgedanke. Die Politik soll den Menschen den Rahmen schaffen, in dem jeder die Möglichkeit hat, den subjektiven Sinn seines Lebens erfüllen zu können. Auch hier muss man unterscheiden. Und zwar zwischen Ideologien und Individualismus. Während bei Ideologien vorgegeben ist, wie für jeden einzelnen Menschen der Sinn des Lebens auszusehen hat (bei totalitären Ideologien ist dieser sogar allgemeingültig vorgegeben, während bei autoritären Ideologien andere Ansichten zumindest geduldet werden), darf beim Individualismus jeder selbst entscheiden was „seine“ Eudaimonia, also sein Sinn des Lebens ist.

Absoluta

Die vielen Vorstellungen von „gutem“, „gelingendem“, „erfüllendem“ oder „glücklichem“ Leben müssen, so wie alles, irgendwo einen Ursprung haben. Rein darwinistisch gesehen haben sie diesen natürlich in der Reproduktion unserer Gene, wodurch wir erst dazu fähig wurden zu denken und zu entscheiden, was für uns „gutes Leben“ ist. Wenn man nun aber einräumt, dass die Ethik von irgendetwas „Höherem“ gegeben sei, setzt man sich dem Ruf aus, naiv zu sein. Klassischerweise ist dieses „Höhrere“ etwas Göttliches. Im Zuge der Aufklärung säkularisierte sich diese Vorstellung in Form von Menschen- und Bürgerrechten. Man mag also behaupten, die Natur trat an die Stelle von Gott. Doch das Problem bei diesen Vorstellungen ist: Ethik braucht einen vollständigen Bezugsrahmen. Dieser Bezugsrahmen drückt sich durch sogenannte Absoluta aus. Absoluta sind gesetzte, nicht hinterfragbare, aber auch nicht richtig verwirklichbare Sehnsüchte und Ideale. Kernabsoluta sind zum Beispiel Begriffe wie Freiheit, Gerechtigkeit, Wahrheit oder auch Reichtum. Solche Begriffe einwandfrei und allgemeingültig zu definieren ist äußerst schwer, wenn nicht gerade unmöglich. Man kann sich im Grunde nur annähern. Hier seien einmal zwei „semi-prozedurale“ Ansätze von berühmten Philosophen vorgestellt. Erstens jender von John Rawls, bei dem er eine Theorie der Gerechtigkeit aufstellen will. Er konstruiert ein Gedankenexperiment, bei dem der Mensch durch einen „Schleier der Unwissenheit“ vollständig vergessen soll, aus welcher Schicht oder aus welchem geistigen Kontext er stammt. So soll die absolute Objektivität hergestellt werden, die diesen „nichtwissenden“ Mensch befähigt, zu entscheiden was das endgültig „richtige“ Gesetz nun ist. Ein weiterer, ebenfalls äußerst berühmter Ansatz, ist der kategorische Imperativ nach Immanuel Kant. Dieser besagt, dass die Maxime des eigenen Handelns ein Gesetzt darstellen können sollte. Man soll also nur so handeln, dass man damit einverstanden wäre, wenn alle so handeln. Diese Ansätze werden hier als „semi-prozedural“ bezeichnet, weil sie zwar prozedural gedacht sind, aber keine Handlungsanleitung aufweisen.

Die prozedurale Herausforderung ist also, etwas das gegeben und gesetzt ist, so zu übersetzten, dass es bei ständig neuen Problemen stets eine Lösung hervorbringt.

Der prozedurale Ansatz der Ethik

Genau diese im letzten Satz angesprochene Herausforderung ist durch Ethik allein nicht gegeben. Ethik ist nur appelativ. Sie hilft mir nicht, das Gute zu tun und das Böse zu unterlassen. Sie sagt zwar was gut ist, aber das heißt nicht wie man dieses Gute tun soll. Vor allem in speziellen Situationen wird das deutlich. Lügen ist bekannterweise ethisch durchaus verwerflich. Es kann allerdings sein, dass man durch eine Lüge ein schlimmes Ereignis verhindern kann. So etwas ist allgemein bekannt als Notlüge. Diese ist ethisch aber nicht vorgesehen. Was also abstrakt gut wäre, ist nicht immer anwendbar auf die Situation, in der man sich gerade befindet.

Der prozedurale Ansatz der Ethik hält eine Ethik, die nicht handlungsanleitend ist, für unzureichend. Genau hier liegt der Grund für eine Prozeduralisierung der Ethik. Eine prozeduralisierte Ethik erschafft in einem von mehrern Individuen gemeinschaftlich begangenem Prozess Regeln, die einem Individuum in der jeweiligen Situation sagen können, was zu tun ist. Dieser Prozess ist die Politik. Es ist eine Prothese, die einem ethisch gesehen schwachen, moralisch Verführbaren Wesen dabei behilflich ist, das Gute was es tun will und soll zu tun und das Böse was es nicht tun will und soll nicht zu tun. Das ist die ethische Begründung von Politik. Ohne diese politische Prothese kann ein Mensch im prozeduralen Sinne nicht ethisch korrekt leben.

Historische Entwicklung

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Prozeduralisierung

Wie kann das „Gute“ nun prozeduralisiert werden? Wie ist es möglich, dass die relativen Ethoi, die sich immer mehr breit machen, sich wieder stärker irritieren und stören lassen an den absoluten Maßstäben?

Herausforderung

Wie kann die Spannung zwischen dem Ethischen und dem Moralischen geschlossen werden?  Systeme sind zwar ethisch konstituiert, in Wirklichkeit sind sie aber moralisch. Und jedes System hat seine eigene Moral (z.B: Gauner-Ehre - Hier ein Beispiel das die internen Moralsysteme der NS-Diktatur und der Mafia aufzeigt). Das stellt ein Problem dar, weil so jeder ethische Anspruch unterhöhlt wird. Eine Gesellschaft entsteht, mit einer Vielzahl von Systemen, die ihre eigene Moral haben. Die Konsequenzen ausserhalb des eigenen Systemes spielen keine Rolle.  Ethik hat nur dann einen Sinn und einen Zweck, wenn sie universell ist.

Ansonsten entstehen systeminterne Partialethiken. 

Verantwortung

Der Begriff der Verantwortung ist bereits an sich schon prozedural, weil er Prozesse so aufsetzt, dass die mächtigen Menschen, deren Handeln oder nich-Handeln positive und negative Auswirkungen auf Andere hat, diesen Anderen antwortpflichtig sind und rechenschaftsschuldig. So kann Verantwortung sofort prozeduralisiert werden: Man kann sofort fragen: Wem bin ich antwortpflichtig? 

Ein Manager beispielsweise ist antwortpflichtig (verantwortlich) denjenigen gegenüber, die entscheiden wie hoch der Aktienwert ist. Also den Analysten der Hedgefonds großer Investmentgesellschaften, die in das Unternehmen investieren. Er ist also nicht einmal dem Aufsichtsrat verplfichtet, denn dieser wird den Manager in Ruhe lassen, solange die Aktien wertvoll sind.  Wie also ethisches Verhalten von Managern forcieren? Indem sie auch denjenigen, die von ihrem Handeln betroffen sind, verantwortlich sind. Beispielsweise durch Mitbestimmung der Mitarbeiter oder rechtlicher Verantwortung. Die legalistische Applikation ist allerdings nicht prozedural und findet vor Allem in den USA Anwendung (Angst vor Schadenersatzklagen). Prozeduralisierung von Verantwortung funktioniert am besten von Auge zu Auge, von Person zu Person. Dies ist die höchste und beste Form der Verantwortungsprozeduralisierung.   Nehmen wir nun als weiteres Beispiel die Parlamentarier. Wem ist der Abgeordnete antwortpflichtig? Den parteiinternen Kurfürsten, die über die Aufstellung auf den Listen entscheiden. Prozeduralisierung muss also sicherzustellen, dass der Parlamentarier Denjenigen antwortpflichtig ist, die seine Gesetze „ausbaden“ müssen.

Den Verantwortungshorizont in der Wirtschaft ausweiten gestaltet sich schwierig, und auch als Abgeordneter kann man eben nicht 80 Millionen Einwohnern Rede und Antwort stehen. Deshalb werden Prozeduren nötig, die nicht überfordern, aber dennoch das Prinzip des unmittelbaren Kontaktes beachten (Runde Tische, Bürgerauswahl.. )

Integrität

Integrität hat zu tun mit „Einheit“. Letztendlich heisst es, „im Reinen zu sein“ mit dem Guten, dem Ethischen. Ich bin dann integer, wenn es eine Übereinstimmung gibt zwischen dem was ich hätte tun sollen und dem was ich getan habe. Soweit die Grundüberlegungen.

Je mächtiger Ich bin, je größer der Einflussradius meines Handels ist, umso größer ist mein Integritätsradius.

An Integrität werden unterschiedliche Anforderungen gestellt:

Schwache Definition

Übereinstimmung zwischen dem, was ich gesagt habe und dem was ich tue. Entspricht im groben der Glaubhaftigkeit Diese Integrität ist nicht ethisch, sie ist nicht einmal moralisch.

Mittlere Definition

Übereinstimmung zwischen dem was ich getan habe und der öffentlichen Moral und dem gesetzlichen Rahmen dessen, was ich hätte tun sollen.  Entspricht in Unternehmen im groben der Compliance. Als Beispiel kann hier die Korruption dienen, heute gibt es einen öffentlichen Kodex, ein integrer Manager verzichtet deshalb auf Preisabsprache. Das Problem der Definition ist, dass sie nur äußerlich ist.

Strenge Definition

Mein Wirken stimmt überein mit dem Sollen. Dies ist die stärkste Form der Integrität. Die Auswirkungen meines Handelns stimmen überein mit dem ethisch absolut Vollendeten. Es handelt sich hierbei um eine sehr harte, fast undurchführbare Definition, denn es zählt die Wirkung, nicht die Intention der Handlung.

Wie prozeduralisieren? Die Spirale der Entscheidungsfindung

Es geht nun um die Frage, was ich als Person tun und beitragen kann, um die Chance größtmöglich zu machen, dass die Handlungen Früchte tragen, also die Ausirkung der Handlung gut ist. Die Voraussetzung für die prozedurale Herangehensweise ist es, gelassen zu sein und sich selbst zu vergeben, wenn es nicht geklappt hat (also wenn das Gute gewollt war, aber nicht erreicht wurde). Das bedeutet,(jenseits des kategorischen Imperativs, es ist Gesinnungsethik nach Weber), selbst wenn sich das Gute nicht einstellt, handle ich dennoch so, als würde sich das Gute einstellen. Um auf das obige Beispiel des integren Managers zurückzugreifen: Selbst wenn die Konkurrenz durch Korruption erfolgreich ist, greife ich dennoch nicht auf dieses Mittel zurück. Der prozedurales Ansatz ist also: Welche anderen Möglichkeiten gibt es, die Käufer dazu zu überzeugen, mein Produkt zu kaufen?

Prozeduralisiert wird mit einem Stufenmodell. Grundaussage hierfür ist: Wie kann ich vor meiner Entscheidung, vor meiner Handlung erkennen, was die gute Entscheidung/Handlung ist? Prozeduren werden benötigt, die mir heute helfen, diese Entscheidungen zu treffen. Ein zweiter Aspekt ist, politische Probleme meta-systemisch anzugehen. Rein technische Entscheidungen, rein fachliche Entscheidungen werden innerhalb der Logik eines Systems getroffen. Das Merkmal der Politik ist, dass unterschiedliche Systeme mit unterschiedlichen Moralen betroffen sind. (z.B. ist der Bau eines Bahnhofes nicht nur Sache der Ingenieure, sondern auch um Kosten, Umwelt, Gerechtigkeit, Regionaler Proporz, Idylle, Ästhetik etc..). Diese meta-systemischen Geltungsansprüche können nicht mehr auf einer einzigen Ebene gelöst werden. Es gibt nicht den Maßstab der den riesigen Unterschieden bei den Geltungsansprüchen gerecht wird. Und dennoch muss danach eine binäre Entscheidung getroffen werden (Bahnhof bauen oder nicht). Es gibt keinen Maßstab für die eine, gute Entscheidung, weil jeder Akteur seine eigenen Maßstäbe mitbringt, und selbst diese können variieren.  Wie kann da noch Ethik gelingen?

Mithilfe einer Verhandlungs- und Deliberationsspirale:

Erster Kreislauf: Inter - Enger, unabhängiger Personenkreis

  1. Selbstbesprechung, zuerst spreche ich mit mir selber, rede mit meinem Gewissen, meditiere oder bete. („Mit dem Gewissen im Reinen sein“
  2. Ich bespreche das Problem mit einer engen, privaten Bezugsperson (z.B. Freund, Partner, …). Diese spiegelt wieder, was man selber ausgedrückt hat. Die Person nimmt oft wahr, was man selber lieber möchte. Es ist keine sachliche, sondern eine intuitive Entscheidung. („Mit engstem Vertrauten im Reinen sein“)
  3. Rat von Externen, Coach, Supervisor, Mentor einholen. (Vom privaten Paar zum dienstlichen Paar)
  4. Rat von einer Gruppe, keine Kollegen, aber in ähnlicher Position.

Zweiter Kreislauf: Intra - Eigene Organisation einbinden

  1. Vorgesetzter
  2. Kollegiales Coaching, man befragt sein Team, seine engen Kollegen
  3. Gesamtes Team
  4. Gesamte Organisation

Dritter Kreislauf: Extra - Außerorganisationale Interessengruppen

  1. Externe Shareholder
  2. Externe Stakeholder

Grafik zur Spirale

5. Prozedurale Ästhetik

Wozu sich dem Schönen widmen? Ist dies nicht lediglich Zierart, Schmuck? Was Äußerliches, was eher überflüssig und aufwendig ist? Im Gegenteil! das Schöne ist mit dem Guten eng verwandt. Ethik und Ästhetik bedingen sich wechselseitig. Die Sehnsucht nach dem Schönen treibt und leitet uns an schöpferisch zu werden, das Gute gut zu machen. Ohne diese hingebungsvolle Kunstfertigkeit ist gutes Leben nicht denk-, da machbar.

Das Schöne

Generell

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen dem Wahren, dem Guten und dem Schönen. Diese drei Begriffe kann man als Ursehnsüchte bezeichnen. Zusammen ergeben sie für die Menschen etwas abgeschlossenes, vollkommenes. In der Ästhetik ist das Schöne quasi das Perfekte. Diese absolute Vorstellungen sind aber nicht prozedural, weil sie abgeschlossen sind. Im Prozeduralen heißt es aber: „Schön ist nicht, schön wird“. Es gibt also kein absolutes vollkommenes Schönes, es ist eine Idee der man sich annähern kann.

Prozedural

Die Sehnsucht nach Schönheit ist die Vorstellung, dass man etwas abschließt und dass etwas zu seiner entgültigen Gestalt gelangt. Das Schöne ist ein Indikator dafür, dass eine Sache fertig/abgeschlossen ist. Für das Prozedurale hat das eine ganz besondere Bedeutung, weil die Vorstellung dahinter steht, dass man als Führender eine genaue Vorstellung hat, wie das Ergebnis auszusehen hat, auf welches man hinarbeitet. Es geht also darum festzustellen was jetzt die wahre Gestalt ist, die man durch seine Prozeduren erlangen will.

Wozu Schönheit?

Traditionell wird die Kunst als das Zweckfreie und nicht Pragmatische wahrgenommen. Warum also kommen die Menschen immer wieder darauf, bei eigentlich pragmatischen Angelegenheiten Kunst einfließen zu lassen? Sogar, wie man feststellt, vor 40000 Jahren in der Steinzeit, in der man eigentlich nur um das Überleben zu kämpfen hatte? Gibt es also nicht irgendwo ein menschliches Bedürftnis nach Schönheit? Hierfür gibt es einige (darwinistische) Experimente. Dort wurde festgestellt, dass das Schöne oft mit dem Gesunden gleichgesetzt wird. So nehmen wir zum Beispiel entstellte Gesichter meistens als hässlich wahr. Man merkt dabei aber auch, dass der, der sich das Schöne leisten kann, dies meist auch tut und so eine Botschaft aussendet.

Das Schöne steht am Ende also auch für das Wahre. Das sieht man zum Beispiel in den Baukünsten am Beispiel der Brücke: Eigentlich sollte es bei einer Brücke „in Wahrheit“ immer nur darum gehen, einen Weg über das Wasser zu bauen. Doch es wird meistens mehr als das getan, eine Brücke soll auch möglichst ansprechend aussehen und eben nicht nur rein pragmatisch sondern auch ästhetisch sein. Generell kann man an der Baukunst die Rolle des Ästhetischen sehr gut erkennen. Nicht nur, dass neben Pragmatismus auch immer ästhetische Elemente in einen Bau einfließen, sondern auch, dass es im Laufe der verschiedenen Epochen immer wieder einen Paradigmenwechsel gab. Das zeigt uns zum Beispiel, dass Menschen immer nach Veränderungen streben.

Fazit

Im Fazit stellen wir uns erst einmal die Frage: „Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schönheit und Politik?“

Das Schöne ist das prozedurale Wahrnehmen des Vollkommenen. Das Schöne ist etwas, das gestaltet wird und zeigt, ganz primitiv ausgedrückt, dass sich jemand Mühe gegeben hat. Beispielsweise bei Kindern belohnt man nicht dafür, dass das Kind etwas objektiv schönes produziert hat, sondern dass es sich Mühe gegeben hat, etwas zu produzieren, auch wenn es nur Gekritzel ist. Also ist nicht nur das Ergebnis, sondern das Verfahren mit dem man zu diesem Ergebnis gelangt zentral. Das Schöne kann also auch ein Prozess sein.

FIXME

Kunst

Kunst ist, was ein Künstler geschaffen hat.

Wenn das Schöne nicht ist, sondern wird, dann ist die Kunst der Prozess, dass etwas schön wird. Einerseits im Auge des Betrachteres und andererseits durch die Taten des Künstlers. Wir haben schon festgestellt dass es bereits schön ist, wenn man sieht, dass sich jemand Mühe gegeben hat und nicht unbedingt den einfachsten Weg genommen hat, sondern sich in den Prozess hineinversetzt hat und dadurch ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit verdient hat.

In der Antike war es selbstverständlich, dass die Politik als Kunst angesehen war („Staatskunst“). Wir wissen dass Kunst immer auch Ausdruck eines Selbstverständnisses ist und auch als Waffe in Form von Propaganda genutzt werden kann. Wenn man nun sagt „Politik ist eine Kunst“, sagt man zwei Sachen aus. Erstens, dass Politik etwas schönes, also fertiges, abgeschlossenes ist. Zweitens heißt es auch, dass Politik mehr ist als einfaches pragmatisches Handeln, dass sie sogar etwas überflüssiges, nicht lernbares hat. Das kann auch entscheidend sein!

Künstler

Wir interessieren uns deshalb für Verfahren als Kunst, weil uns der schöpferische Akt interessiert. Verfahren sind im doppelten Sinne schöpferisch, weil jemand es sich ausgedacht hat und es dann auch noch aufgeschrieben/materialisiert hat. Es geht darum, jedem zu seiner Kunst zu verhelfen, dann blüht die Gesellschaft auf.

Klassischerweise ist aber Kunst etwas, was man aufstellen oder aufhängen kann, etwas das schmückt (ein Gebäude, eine Wand, eine Person …). Zudem ist sie betrachtend. Verfahren sollen aber schöpferisch werden. Die Menschen sollen zu verschiedenen Dingen gebracht werden, sie sollen zu Schöpfern werden und selbst etwas hervorbringen.

Kunst kommt nicht von Können, sondern Kunst kommt vom Künstler. Der Künstler ist eine bestimmte Facette des Menschseins. Es muss sich nicht um einen Menschen als Person handeln, sondern wir halten es wie Beuys, der sagte, nicht jeder ist immer Künstler, sondern jeder ist in mancher Situation Künstler. Nämlich dann, wenn er ein bestimmtes Gespür hat, für Abgeschlossenheit. (Der Künstler als Seismograph).

Dinge haben ihre Gestalt. Und Künstler sind Leute, die ein inneres Gespür haben, wann die richtige Gestalt eingetreten ist. Ein Musiker muss beispielsweise ein Gespür haben für Töne und Rhythmus. Künstler ist dann jede Qualität die jenseits des Lernens ist. Diese besondere Sensibität muss nicht nur im klassischen Sinne künstlerisch sein (auf Farben, Proportionen, Formen bezogen), sondern kann auch Bewegung (Tanz), Wörter (Dichter) und auch ein guter Anwalt und ein guter Richter sind Künslter, weil sie ein besonders feines Sensorium haben für was Recht und was Unrecht ist. Man kann ein perfektes Gehör haben und bewusst atonale Musik spielen, von der die Leute sagen, sie sei fürchertlich. Dennoch kann ich die Leute davon überzeugen, dass es nicht nur irgendetwas ist, was gespielt wird.

Der Künstler ist also - wie gesagt - eine Facette des Menschen. Mozart beispielsweise war ein Genie darin, Musikstücke zu Papier zu bringen, jedoch konnte er nicht Malen, Kochen etc.

Die Prozedurale Denkweise sagt:

Wir haben eine riesige Palette an Sensorien. Im gewissen Sinne hat jeder irgendwo eine solche Sonderbegabung, ein Organ das uns sagt „hier stimmt etwas, und hier stimmt etwas nicht“. Der Gedankengang des Prozeduralen ist die feinfühlige Kreativität, diese zu Entwickeln und Entfalten. Wer ein guter Coach sein will, braucht ein besonders feines Gespür für die Empfindsamkeiten eines anderen Menschen. Man muss spüren können, ob er nur etwas erzählt oder ob noch mehr dahinter steckt. Und man muss wissen, wie man darauf reagieren kann. Vieles davon ist zwar lernbar, aber der wirklichen Künstler (als Coach), ist jemand, der dort schon eine besondere Gabe zu haben scheint.

Die Grundaussage ist: Ich bin erst dann Künstler, wenn ich in dem Bereich bin, in dem ich ein Talent habe.

Der Künstler als Seismograph

Warum nun Seismograph? Weil die Kunst in ihrem Bereich immer etwas ist wie ein Seismograph. Es ist interessant, dass die Kunst auch eine Art Erdbebenvorwarnung ist. Die Klasische Kunst manifestiert sich am ehesten anhand gesellschaftlicher Umbrüche. Die Postmoderne ist als erstes als Kozept in der Kunst, in der Literatur und Architektur entstanden. Die Stuttgarter Nationalgalerie ist einer der ersten Bauten seiner Art (Postmoderne). Das Besondere ist in erster Linie ein künsterlischer Diskurs, der eine Kritik an der Moderne implizierte und sagte, dass die Moderne gescheitert sei. In der Literatur sagt man, die Zeit der großen Erzählungen und Ideologien sei vorbei. In der Architektur bemerkte man, dass die großen, kalten Projekte nicht zeitgemäß waren und auf einmal wurde wieder Schmuck an den Gebäuden angebracht, Überflüssiges.

Warum? Die Aussage ist relativ einfach: Wenn Menschen, die in dem Bereich in dem sie ein besonderes Sensorium haben, dies ausnützen, dann hat er die Möglichkeit, als Seismograph seiner Gesellschaft zu dienen.

Die moderne, abstrakte Kunst enstand beispielsweise schon vor dem Zusammenbruch der alten Ordnung (1. Weltkrieg). Schon damals bemerkten die Künstler, dass mit der Gesellschaft etwas nicht stimmt. Sie gingen die übertünchten, alten Fassaden an, die innen Modern, aussen jedoch neobarock und neogotisch sind. Das wurde von den Künstlern als verlogen empfunden und sie forderten, ehrlich zu bauen.

Die eine Aussage ist: Wenn ich eine im umfassenden Sinne blühende Gesellschaft habe, wenn die Menschen in ihrer Begabung mehr haben, als was man normalerweise lernen kann, wenn man sich in dem Bereich entfaltet. Überall wo wir als Mensch Sinne haben, ist dies möglich. Also in jedem Beruf. Ob als Lehrer oder Lastwagenfahrer - überall. Dahinter steckt natürlich auch die Vorstellung, dass der Künstler die Möglichkeit hat auf diese Weise bessere Qualität abzuliefern.

Es gibt gute Gründe, das Prozedurale als Kunst zu betrachten, nicht nur weil es eine alte Tradition ist, sondern weil es um eine Fülle von Künsten geht. Die Rhetorik war und ist beispielsweise eine der wichtigsten Künste der Demokratie. Wir benötigen einen Paradigmenwandel, dass wir die aktivierenden, problemlösenden Künste auch ästhetisch- künstlerisch aufwerten müssen. Es geht auch darum zu sagen, das was ein wirklich guter Moderator, Mediator, Coach, Manager, Politiker tut, kann auch, das muss auch als Kunst betrachtet und so gewertschätzt werden. An eine Kunstschule zu gehen um Künstler zu werden ist förderlich, aber nicht erforderlich, um Künstler zu sein. Der wahre Künstler ist der, der seine Kunst inszenieren kann (nicht effekthascherisch), sondern sich wirklich dem Zweck unterordnet, dem seine Kunst dient.

Kunstwerk

Das Kunstwerk ist das Werk des Künstlers. In unserer Vorstellung kann man ein Kunstwerk stets erfahren, anfassen, sehen, hören können. Das war nicht immer so: In der Renaissance war Etwas erst ein Kunstwerk, wenn es einen Rahmen hatte. Nun kann man sich fragen: Wenn Politik Kunst ist, welchen Rahmen braucht diese dann? (Der „Bilderrahmen“ in der Politik könnte beispielsweise die Verschriftlichung sein.)

Fazit

Warum haben wir uns die Frage nach der Ästhetik überhaupt gestellt? Der klassische Dreiklang in der Philosophie besteht aus dem Wahren, dem Guten und dem Schönen. Das Schöne ist jedoch immer ein wenig am Rand. Kunst wird oft nicht wirklich ernst genommen. Wir haben das Thema auch deshalb aufgenommen. Damit das Prozedurale nicht nur als etwas pragmatisches begriffen wird. Damit klar ist, dass was eine wirkliche Prozedur ausmacht, nicht erlernbar ist. Dass ein genialer Prozess eine eigene Schönheit hat, und von Leuten konzipiert wurde, die kreativ waren, die auf ihr Gespür vertraut haben, auf ihre Intuition. Wenn wir von der Prozeduralen Ästhetik reden, reden wir zuerst einmal von einer Schwachstelle, von Etwas zu kurz gekommenen. Wenn eine Demokratie nur noch aus absolut „unsinnlichen“ Verfahren besteht, gäbe es das sinnliche Gefühl bestimmter Prozeduren nicht mehr (z.B. E-Wahl vs Wahl). Wenn die Demokratie die Menschen nicht sinnlich anspricht, werden die Menschen irgendwann wieder von Anderem verführt. Deshalb ist das Schöpferische so wichtig. Das Kreative ist immens wichtig, jedoch ist es in vielen Berufen verloren gegangen.

Wir brauchen in allen Bereichen ein Ästhetisches Bewusstsein. Woran stellen wir als Allererstes fest, dass eine Sache nicht stimmig ist? Die Schönheit als Indikatur von guter Politik. Es geht nicht um Prunkbauten, sondern darum, zu spüren dass Viele sich Mühe gegeben haben, sich dem Hingegeben haben. Letztendlich geht es um das Liebevolle. Das Schöne ist das Liebevolle. Dass man etwas liebevoll gestaltet. Und dies kann man spüren. Die Ästhetik ist der beste Indikator dafür, ob prozedural „Alles im Reinen“ ist. Wenn gute Prozeduren Menschen aktiv und verantwortlich mit einbeziehen, wird am Ende etwas herauskommen, was im gewissen Sinne schön ist - nicht für die Kunstkritiker, sondern für die Menschen die sich darin aufhalten.

6. Prozedurale Politik

Einführung

Allgemein

Auf das gemeinsame Schaffen, das Vollbringen von Prozessen die wahres, gutes, schönes Leben bedingen, läuft Prozedurologie hinaus. Dieser klasssische Dreiklang wird darum erst zur Harmonie durch das Tun, die Co-aktion, das miteinandder Angehen. Doch zur Melodie des Lebens, ja gar zur Synphonie einer gelingenen Menschheit werden diese Grundsehnsüchte nach dem Wahren, Guten, Schönen erst, wenn wir sie gedanklich erweitern, um die weiteren, uns Menschen erst vollmachenden Absoluta, wie die der Hoffnung auf Frieden, Freiheit, und Gerechtigkeit, Gesundheit, Sicherheit und Reichtum, Macht, Anerkennung und Zugehörigkeit … Prozdurale Politik ist somit der (andauernde) Versuch, diese Grundregungen des Menschen nicht nur gedanklich ernstzunehmen (was unsere Wissenschaft schon aufgegeben hat), sondern zudem mit allem schöpferischem Vermögen auch auf deren Befriedigung zu drängen. Ja selbst die allzumenschlichste Regung nach Liebe, jene ebenso unstillbare wie uns zutiefst bewegende (wie verletzende) Kraft, macht Politik erst sinnvoll und möglich.

Prozedurologie läuft darum auf prozedurale Politik hinaus, da sie sich nicht damit begnügt das eigentlich Menschliche, eben jene ewigen und universellen Sehnsüchte (und damit auch verbundene Ängste), zum Ausgangspunkt ihrer Überlegungen zu nehmen, sondern auch das dazu erforderliche Handeln anzustoßen und zu begleiten bestrebt ist. Prozedurale Politik nimmt diese Brückenfunktion zwischen Theorie und Praxis, Verstehen und Verändern auf: Auf dieser Seite - in diesem Kapitel - spannen wir den Bogen noch auf der grundsätzlichen Ebene auf, um ihn dann im eigenen Abschnitt zur Prozeduralen Politik in die diversen Ausformungen von Politik(reform)feldern zu übertragen.

Herleitung

Wir haben uns ja mit dem Wahren, dem Guten und dem Schönen beschäftigt. Im Gewissen Sinne fügt die Prozedurale Politik einen vierten Sinn hinzu: Das Praktische. Man macht sich Gedanken über „Was ist Wahrheit“, „Was ist Schönheit“ … etc. Natürlich gibt es Übergänge in der Praktische: „Wie kann ich gut handeln, wie kann ich Wahrheit finden“ Der Grundansatzpunkt der Politik an sich ist, zu sagen: „Ich kann diese Sehnsüchte alleine, für mich, grundsätzlich nie erfüllen“.

Ethik sind die individuellen Vorraussetzungen Guten Lebens, Politik sind die kollektiven Vorraussetzungen guten, schönen, gerechten, wahren, friedvollen, freiheitlichen, gesundem (, … )Lebens. Dies sind alles Unterformen (weitere Absoluta) die wir als Menschen haben.

Diese Absoluta werden von Menschen auf drei Ebenen versucht zu realisieren:

  • Individuelle Ebene (Stoa, Eremit, ..), man zieht sich zurück. *
  • Gemeinschaftliche Ebene: Im direkten Umfeld mit ähnlichen Leuten die idealisierte Form von Gemeinschaft zu schaffen. Diese Form ist beispielsweise in den USA  beispielsweise in den kleinen Vorstädten oder in Unternehmen stark ausgeprägt.
  • Gesellschaftliche Eben: Die Idee vom Zusammenleben aller Menschen voranbringen. Das Bedürfnis nach prozeduraler Politik rührt v.a. daher, dass wenn wir diese Vorstellungen verwirklichen wollen nicht nur in unserem eigenen Leben, nicht im gemeinschaftlichen, sondern in der Gesellschaft! „Ich kann in meinem eigenen Kontext nur dann leben, wenn die Rahmenbedingungen der Gesellschaft sich dahin entwickeln“.

Prozedurale Politik ist damit, die Sehnsüchte der Menschen in der Welt in dieser Welt und nicht erst im Jenseits zu befriedigen. Die vielen einzelnen Sehnsüchte werden von der Politik orchestriert. Sie ist für keine Sehnsucht allein zuständig, sondern für Alle. Das Ziel ist es, dass die unterschiedlichen Sehnsüchte letztendlich eine möglichst harmonische „Symphonie“ ergeben, denn unterschiedliche Menschen artikulieren in unterschiedlichen Lebensverhältnissen verschiedene Sehnsüchte.

These: Verfahren der Politik

Wissenschaft hatte eigentlich immer einen politischen Anspruch - in ihrem bestimmten Bereich - eine Art „Karte“ zu entwickeln. Die Zielgruppe waren nicht immer Politiker, aber auch Politiker. Die erste Forstwirtschaftliche Universität, bei Dresden gegründet, stellte fest, dass die massive Abholzung im Erzgebirge nicht nachhaltig war und stellte die Frage, wie in der Forstwirtschaft nachhaltig und unter wenig Aufwand produziert werden konnte. Die Hoffnung war, dass die neu etablierte Forstwirtschaftliche Universität Perspektiven für die Förster und aber auch für die politischen Entscheidungsträger schafft, um die politischen Rahmenbedingungen zu setzen (Kahlschlagverbote, Subventionen etc..).

In den Naturwissenschaften scheint eine solche „Karte“ konstant und fest. Wenn es um die nicht- menschgemachten Dinge gibt, scheinen die Karten der Wissenschaft relativ verlässlich. Was fehlt, ist die Kombination der Karten und ihrer Dynamik. Viel komplizierter ist das im sozialen, politischen Bereich, weil die Frage aufkommt, ob es überhaupt möglich ist, eine Karte, ein Navigationssystem, zu entwickeln. Ist es in der heutigen Zeit möglich, dass die dynamische, sich verändernde soziale Welt kartographierbar ist? Die Problematik ist, dass, wer verstehen will wie etwas funktioniert, das System selbst schon verändert.

Verfahren in der Politik heisst: In der heutigen Zeit scheint es schwieriger eine solches Navi zu erstellen, als früher. Wie kann Politik dann verfahren? Fahren wir auf der falschen Straße? In die falsche Richtung? Fahren wir zu schnell? Fahren wir an die Wand? Oder fahren wir massiv Umwege?

Es herrscht kein Konsens darüber, welcher Weg einzuschlagen ist. Früher gab es Utopien (z.B. Thomas Morus, Kommunismus), die den religiösen Utopien folgten (Himmelreich, gottgegebene Ordnung wird irgendwann zu uns gebracht werden). Die Moderne glaubt nicht mehr an diese Ankunft und will nicht warten, deshalb sucht sie nach einem Weg und entwickelt eine Vielzahl von Modellen und Verfahren darüber, welcher Weg einzuschlagen ist.

Verfahren der Politik haben wir, weil die Politik selber über keine Politik verfügt, wie sie mit dieser Orientierungslosigkeit umgehen soll. Es gibt quasi keine Politik der Politik. Damit ist gemeint, dass es weder eine Politik gibt darüber, was wir wirklich wollen, sondern lediglich durch Richtungswahlen. Insbesondere haben wir keine Politik die mit der Vielzahl von Wegen, Instrumenten und Vehikeln für diese Wege klarkommt und herausfindet welcher davon eingeschlagen werden soll.

Antithese: Politik als Verfahren

Wir stellen fest: Politik ist von Anfang an immer ein Verfahren gewesen. Die Frage war von Anfang an, „Wie bringe ich Menschen dazu, Probleme mit mir zu Lösen, die ich selbst nicht alleine lösen kann?“. Politik bringt Menschen und Ressourcen zusammen, die Frage ist stets, wie das geschehen soll. Dazu gibt es verschiedenste Stile und Paradigmen: Vom Zwang, über Kauf bishin zur Beteiligung ( GRAFIK HIERZU). Früher war der Zwang die dominierende, unangefochtene Form. Heute herrscht lediglich Konsens darüber, dass es keinen Konsens gibt. Jedoch ist ein Trend zu mehr partizipativer Beteiligung festzustellen. Auch auf diesem Gebiet gibt es eine unglaubliche Menge an Verfahren, wenn auch nicht die Fülle an Wissen, das durch 10.000 Jahre Zwangs-Verfahren gesammelt wurde.

Kurz gesagt geht es in der Politik darum, das richtige Verfahren zu finden, um für das relevante Themen Unterstützung zu finden. Heute reicht der Zwang oder der Kauf der Unterstützung immer weniger. Denn der Zwang lässt die Menschen ausweichen oder widersetzen. Und beim Kaufen stellen wir fest, dass nicht genug Mittel da sind.

Synthese: Politik der Verfahren

Die Politik steckt in einer Krise, weil die Art und Weise wie Krisen bisher gelöst wurden, die Politik in eine Sackgasse führt. Heute ist das bereits die „Finanzpolitische Sackgasse“ und die „Umweltpolitische Sackgasse“. Auch die Demographische Entwicklung kann als Sackgasse gesehen werden. Die Politik weiß nicht, wie sie mit diesen Problemen umgehen soll. Es kann wie bisher nicht weitergemacht werden. Auf fast allen Politikfeldern kann die gegenwärtige Richtung nicht weitergefahren werden (Gesundheitspolitik, Rentenpolitik, Bildungspolitik), obwenn auch es Bereiche gibt, in denen man die Kurve geschafft hast.

Die Suche nach dem Ausweg aus den Krisen benötigt eine Politik der Politik, eine Politik der Verfahren. Die Aufgabe von Politik ist, die richtigen Verfahren für bestimmte Probleme zu finden, anzuwenden und zu entwickeln. Das ist Prozedurale Politik.

Politik 1. Ordnung: Kampf um Macht

Die Politik erster Ordnung ist der Kampf um die Macht: Wer hat die Macht? Wer darf bestimmen? Wer darf regieren? In der Monarchie war/ist dieses Verfahren noch relativ einfach. In der Demokratie findet es alle vier Jahre in Wahlen statt. Der Kampf um die Macht ist entscheidend, denn nur wer an der Macht ist, kann Politik 2. Ordnung betreiben:

Politik 2. Ordnung: Kampf um Inhalte

Die Politik 2. Ordnung ist der Kampf um die Inhalte, welcher Weg eingeschlagen werden soll. Wer formelle Macht hat, kann noch lange nicht alles durch- und umsetzen was er will. Entscheidungstechnisch ist Kampf um die Macht = Wahlen, Kampf um Inhalte = Abstimmungen.

Diese beiden Ordnungen sind die Grundordnungen der Politik: Wer steuert wohin?

Politik 3. Ordnung: Kampf um die Verfassungspolitik

Verfassungspolitik: Nach welchen Spielregeln findet der Kampf um Macht und Inhalte statt? Diese Politik ist normalerweise recht fest. Die Vorstellung ist, dass die Grundspielregeln nicht groß geändert werden. Aber die Auslegung der Grundspielregeln ändert sich ständig.

Politik 4. Ordnung: Kampf um die Spielregeln

Kampf um die Spielregeln, Prozedurale Politik: Mittels welcher Verfahren werden die Prozesse festelegt, verändert, angepasst; mittels derer der Kampf um die Macht und der Kampf um die Inhalte stattfindet. Prozedurale Politik hat Konsequenzen auf alle drei Ordnungen: Auf die Dritte Ordnung: Diese wird im Grund genommen relativiert, weil sie nicht mehr die letzte Ordnung ist. Prozedurale Politik sagt, dass die Verfassung nicht heilig ist, weil sie auch oft untergraben wird.  Eine Verfassung sollte nicht heilig und unveränderlich sein. sondern ständig weiterentwickelt und angepasst werden. Eine Regel ist nicht heilig, sondern nur ein Hilfsmittel um bestimmte Vorstellungen guter Politik zu realisieren. Auf die Zweite und Erste Ordnung: Die Prozedurale Politik versucht insbesondere den Schwerpunkt auf diese Ordnung zu legen. Die Politiker investieren viel zu viel Zeit in den Kampf um ihre Wiederwahl und vergeuden so wertvolle Ressourcen. Wenn die Politiker keine Zeit mehr haben oder sich keine Zeit mehr nehmen, sich um die Sachlage zu kümmern, sondern nur noch um ihre Wiederwahl. Ziel Prozeduraler Politik ist den Kampf um die Macht auf ein Minimum zu reduzieren, in dem die Politik im Prinzip zum Großteil entpersonalisiert wird. Der Thron der Macht muss leerbleiben. Das in diesem Sinne fortschrittlichste System ist das Schweizer System - Die vielen Referenden und Plebiszite relativieren die Politik erster Ordnung sehr stark, was einen großen positiven Effekt auf das Land hat

Fazit

Prozedurale Politik ist Politik der Verfahren, es ist ein eigenständiges Politikfeld und ist das entscheidende Politikfeld. Es hat schon immer stattgefunden, jedoch immer hinter verschlossenen Türen. Die Regeln wurden schon immer angepasst und verändert, in jedem System. Die Synthese ist: Wenn wir eine Krise in der Politik haben, die uns in eine Sackgasse führt, was letztendlich stets zu Gewalt führt. Der Anspruch an die Politik aber genau ist, nicht in eine Sackgasse zu fahren, deshalb ist die Prozedurale Politik nötig, die einher geht mit einer massiven Verlagerung von der Politik 1. Ordnung in die Politik 4. Ordnung, um die Politik 2. Ordnung zu stärken, damit die Energien in die Diskussion und Abstimmung fließen.

Anmerkung: Dass die Politik erster Ordnung dominiert, hat weniger mit der Verfassung zu tun, als mit der Mediengesellschaft. Denn die Medien leben von Geschichten über Gesichter, Politik wird gerne als Geschichte von Lebensdramen von Politikern inszeniert. Und solche Stories werden auch von den Menschen gerne gehört. Wie kann die Politik enttheorisiert werden? Die heroische Vorstellung von Politik, dass der Richtige das Land aus der Sackgasse führt muss überwunden werden.

Prothese: Prozedurale Politik

Was heißt dies nun praktisch, gestalterisch?

Die Prothese lautet: Wir müssen Anfangen, kreativ mit Verfahren zu „spielen“. Die Kunst des „Fahrens“ und „Navigierens“ muss erlernt werden. Politik ist eben nicht am Steuer sitzen und zu sagen „Ich weiß wo es lang geht“, sondern letztendlich geht es darum, zu wissen wie der Weg gemeinsam geschafft wird. Dies ist einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Parteien: Klassische Parteien treten an und sagen sie haben die Lösung für bestimmte Probleme. Prozedurale Parteien sagen, dass sie nicht wissen wie das ideale System aussieht, weil es ein Prozess ist, der organisiert werden muss.

Prozedurale Politik, Politik 4. Ordnung, heisst, das Gestalten der Spielregeln mit der die anderen Ordnungen geregelt werden. Prozedurale Politik muss also selbst prozedural sein. Wie müssen diese Kompetenzen entwickelt werden? Wer hat die Kompetenzen? Wir haben begonnen mit den drei Grundfragen klassischen Denkens (das Wahre, Schöne, Gute). Wie gesagt ist die Politik die Frage nach dem Praktischen, wie wir es machen. Automatisch haben wir so unterschiedliche Politikfelder, ausgehend von den menschlichen Sehnsüchten.

Fazit

Wissenstand entstand, weil es Politik gab, weil derjenige Recht bekam, der am besten mit Worten umgehen konnte. Dieses Paradigma ist auch heute genauso gültig. Die Wissenschaft muss den politischen Rahmenbedingungen dienen. Die Prozedurale Anthropologie ist das Verständnis, dass der Mensch auf andere Menschen einwirken will.

Als es um Verfahren der Politik ging, war die Kritik, dass die Politik die Fähigkeit, die Zeit positiv zu gestalten, verloren hat. Prozedurale Politik ist letztendlich eine epochale Frage: Wie können wir es schaffen, in der heutigen, ausdifferenzierten, vernetzten, globalisierten Welt, in der heutigen Zeit die Politik der Verfahren in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu lenken. Es geht um ein neues Epochales Selbstverständnis, dass die „Matura“ genannt wird. Die Menschheit wird grob in drei Zeitalter gestellt:

  1. Vorzeitalter, ohne Ausdifferenzierung, in tribalen Strukturen
  2. Klassik, erste Experimente
  3. Moderne, man hat erkannt wie Geschichte gemacht wird.

Jetzt stehen wir an dem Punkt, an dem die Frage ist, ob die Moderne die Möglichkeit hat, sich selbst zu kurieren oder aber ob es ein anderes Paradigma braucht. Die Postmoderne ist keine Lösung und besagt lediglich dass die Moderne ihren Zenit überschritten hat, weil sie Probleme geschaffen hat mit der sie selbst nicht mehr lösen kann.

Illustriert an einem Bild:

Die Moderne ist von der Haltung so etwas wie die Jugend der Menschheit gewesen, die Vorstellung dass noch alles vor einem Liegt, dass die Zukunft machbar ist, dass man viele Ressourcen hat und mit seiner Gesundheit großzügig umgehen kann, was der Körper einem noch verzeiht. Zudem neigt man dazu, Lösungen einfach zu sehen. Die Postmoderne ist nichts anderes als das gewahrwerden der Menschheit, dass sie doch älter geworden ist. Man fängt an zu spüren, dass der Körper nicht mehr richtig nicht macht. Wir realisieren, so wie bisher weiterzufahren, überfordert. Man ist überfordert was Berufs- Partner- Freizeitwahl anbelangt. Die große Frage ist: Schaffen wir es als Menschheit, zu reifen, erwachsen zu werden? Welches Wissen, welche Gesellschaft brauchen wir, um erwachsen zu werden. Erwachsen zu werden beginnt damit, hauszuhalten und bewusst Prioritäten zu setzen, an die nächste Generation und einen längerfristigen Horizont zu denken. Ist es möglich, nicht Menschen, sondern Systeme reifen zu lassen? Dass beispielsweise Finanzmärkte erwachsen werden?

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prozedurologie.txt · Zuletzt geändert: 2014/03/21 20:44 von rabandf
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