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Praxis prozeduraler Politiken

Auf das gemeinsame Schaffen, das Vollbringen von Prozessen die wahres, gutes, schönes Leben bedingen, läuft Prozedurologie hinaus. Dieser klasssische Dreiklang wird darum erst zur Harmonie durch das Tun, die Co-aktion, das miteinandder Angehen. Doch zur Melodie des Lebens, ja gar zur Synphonie einer gelingenen Menschheit werden diese Grundsehnsüchte nach dem Wahren, Guten, Schönen erst, wenn wir sie gedanklich erweitern, um die weiteren, uns Menschen erst vollmachenden Absoluta, wie die der Hoffnung auf Frieden, Freiheit, und Gerechtigkeit, Gesundheit, Sicherheit und Reichtum, Macht, Anerkennung und Zugehörigkeit …

Prozdurale Politik ist somit der (andauernde) Versuch, diese Grundregungen des Menschen nicht nur gedanklich ernstzunehmen (was unsere Wissenschaft schon aufgegeben hat), sondern zudem mit allem schöpferischem Vermögen auch auf deren Befriedigung zu drängen. Ja selbst die allzumenschlichste Regung nach Liebe, jene ebenso unstillbare wie uns zutiefst bewegende (wie verletzende) Kraft, macht Politik erst sinnvoll und möglich.

  • Prozedurologie läuft darum auf prozedurale Politik hinaus, da sie sich nicht damit begnügt das eigentlich Menschliche, eben jene ewigen und universellen Sehnsüchte (und damit auch verbundene Ängste), zum Ausgangspunkt ihrer Überlegungen zu nehmen, sondern auch das dazu erforderliche Handeln anzustoßen und zu begleiten bestrebt ist.
  • Verfahrenstheorie stellt die Heuristik und Methodik für diese gelingende, gesellschaftstransformierende Praxis zur Verfügung.
  • Und Meta-Matching-Method und Toolpool erschließen die Fülle an dazu geeigneten Verfahren und Innovationen

Prozedurale Politik nimmt diese Brückenfunktion zwischen Theorie und Praxis, Verstehen und Verändern auf und überträgt sie auf die Gestaltung konkreter Politikfelder, wie die der Wirtschaft, des Staates, der Bildung ….

Vorgehen

Ab Oktober 2012 werden die folgenden politischen Gestaltungs- und Reformfelder in Lernkursen durchgespielt. Interessenten an deren Teilnahme können sich melden unter fuhrmann@procedere.org

Dabei wird auch zu klären sein, welches denn sinnvolle - in sich geschlossene und voneinander gut abgrenzbare sowie das ganze Spektrum umfassende - Unterteilungen sind. Richten wir uns dabei z.B. nach der Logik der Sozialsysteme, wie sie von der Luhmannschen Systemtheorie gezogen wird, oder nach Bedürfnisfeldern (Gerechtigkeit, Sicherheit, Gesundheit …) oder nach Verfahrensspektren (Regieren, Wirtschaften, Bilden …)?

Bevor wir darum uns diesen diversen Anwendungsfeldern prozeduralen Denkens widmen, folgende Vorbemerkungen zu Sinn und Zweck, Fokus und Selbstverständnis, Ansatz und Methodik prozeduraler Politikbetrachtung.

Vorbemerkungen prozeduraler Politikbetrachtung

Text

1. Prozedurale Führung

Wir betrachten „Führung“ als Ellipse, die sich um Wertschätzung und Wertschöpfung dreht.

Vorbemerkung

Begriffliches

Ausgehend vom Begriff des Führens, machen wir eine Rekonstruktion der verschiedenen Führungsarten, und versuchen so zum letztendlichen Zweck von Führung zu gelangen.

Wesen

Das Bild hinter „führen“ rührt von „fahren“ her. Man fuhr auf Jagd oder in den Krieg. Ein Thema ist auch die geschlechtliche Seite von Führung, weil bis vor kurzer Zeit die Möglichkeit, dass Frauen auch führen können, belächelt wurde.

Wenn wir uns in eine solche tribale Struktur hineinversetzen, die auf „Fahrt“ geht, gibt es meist jemanden, der diese Fahrt anführt, also der Führende ist. Führung heißt im ursprünglichen Sinne Verantwortung zu tragen. Wofür trägt diese Person dann die Verantwortung?

Die beiden Dimensionen, die von Anfang an in der Führung dabei sind, sind „Wertschätzung“ und „Wertschöpfung“. Eine Fahrt hat einen Auftrag, einen Zweck, man will mit etwas bestimmten zurückkommen (Wertschöpfung). Zusätzlich hat man die menschliche Dimension, man achtet darauf, dass Alle wieder heil zurückkommen (Wertschätzung.

Dieser Begriff wurde z.B. im dritten Reich oder in der Sowjetunion nicht berücksichtigt, da die Menschen nicht wertgeschätzt wurden, sondern nur die Wertschöpfung relevant war. Die beteiligten Personen haben aber eine Würde, man hat eine ethische Verantwortung Ihnen gegenüber.

Wenn ich auf einen Kriegszug oder gefährlichen Jagdzug gehe, so weiß ich natürlich, dass die Wahrscheinlichkeit, dass jemand zu schaden kommt, groß sein wird; da jedoch die Wertschätzung nicht der alleinige Zweck ist, sondern auch Wertschöpfung wichtig ist, geraten beide Konzepte in einen Konflikt.

Auch der klassische Unternehmer konzentriert sich eher auf die Wertschöpfung; weshalb ein Unternehmer gut ist bei der Gründung der Firma, bei der Konsolidierung aber ein Manager die Wertschöpfung und -schätzung besser vereinbaren kann.

Wenn beide Führungsversagen zusammen eintreten, versagt die Führung komplett Beispiel Lehrer: Autoritäre Lehrer mit Hingabe waren klasse! Aber wenn ein Lehrer es mit einer der beiden Seiten übertrieb, dann kam das nicht gut an, dann hatte der Lehrer nicht mehr die Schülerschaft und oft auch nicht mehr das Kollegium hinter sich. Diese Mischung kommt in der Politik relativ häufig vor.

Zweck

Prozedurale Führung

Für „Führende“ gibt und gab es schon immer viele Bilder und Metaphern, die unterschiedliche Führungstypen anschaulich machen.

Das Führen von Führung:

Wann ist der Führende Kümmerer?
  Wer
  Scrum-Team
  
Wann ist der Führende Heerführer?
  Was
  Scrum-Owner
  Erfolgsorientiert
  
Wann ist der Führende Pfadfinder / Guide?
  Wie
  Scrum-Master
  Prozessorientiert
  
Wann ist der Führende Steuermann?
  Organisationsorientiert
  Verwalter
  "mit dem Schiff untergehen"
  
Wann ist der Führende Hirte?

Wie kann Meta-Führung aussehen?

Scrum: Der Owner verkörpert den Zweck. Die Führung beginnt in der Mikro Ebene.Sie ist die Voraussetzung, dass alles weitere funktioniert. Was ist das Führungsverständnis, das am besten die Dialektik zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung ausbalanciert?

Offene Fragen

Wieviel hat Führung mit Entscheidung zu tun? Hauptkritik ist, dass Führung Konflikten aus dem Weg geht und keine Entscheidung trifft (Was Angela Merkel oft vorgeworfen wird).

Die demokratische Antwort: Entscheidungen gemeinsam treffen, Sparsam mit Entscheidung umgehen, Immer einen „Haarriss“ in der Gruppendynamik haben.

Essenz

Worauf muss ich achten, wenn ich führe? Führung heißt, den Zweck zu verkörpern und dafür zu sorgen, dass „alle an einem Strang ziehen“, dass man sich ihm gemeinsam widmet. Führende: „Ich verkörpere, wozu wir das machen.“

Wir sprechen vom Bild einer Organisation, in der die Mitarbeiter fast alles selbst organisieren. Das Leitbild der distributiven Führung bedeutet auch eine verflüssigte Verantwortung auf hochpartizipativer Ebene.

Die Frage der Führung wird in weiteren Themen sozialer Systeme immer wieder auftauchen und wir werden feststellen, dass die Führung des Staates aus prozeduraler Sicht nicht nur bei der Regierung/Verwaltung liegt; das selbe gilt auch für die Universität und die Wissensgemeinschaft. Man kommt immer wieder darauf zurück, wie sich solche Zweckgemeinschaften selbst regulieren können.

Staat ist dann eine Sammlung von Zweckgemeinschaften (Politische Zweckgemeinschaft: „Wie gemeinwohlorientierte Entscheidungen umsetzen?“) (Wissenschaft: „Gemeinwohlorientiert vermitteln und entwickeln“) (WIrtschaft: „Produktions- und Versorgungsgemeinschaft“)

2. Prozeduraler Staat

Vorlesung voraussichtlich 15. November 2012

3. Prozedurale Wirtschaft

Wir begannen, aufgrund der großen Aktualität, dabei mit einer gegenwärtig hochbrisanten Teilfrage der Finanzkrise innerhalb er Frage nach der prozeduralen Wirtschaft.

3a. Prozedurale Finanzpolitik

FIXME Einführung und Ansatz müssen noch ausgeführt werden.

Ursachen für Verschuldung

Private Verschuldung

Wir haben ein Provisions- und Boni-Unwesen. Die private Überschuldung, wie sie insb. mit der Immobilienblase in den USA 2008 auftrat, kommt daher, dass Menschen Kredite aufnehmen, und die Verkäufer für die Vergabe der Kredite hohe Boni und Provisionen erhielten. Es gab keinen Anreiz, langfristig zu denken.

Öffentliche Verschuldung

Jede Regierung verspricht stets, solide zu haushalten. Tatsächlich jedoch funktioniert Politik weitestgehend basierend auf Ausgabenpolitik (korrupt: eine Klientel; gesamtgesellschaftlich: Wohlfart → Patronagepolitik). Die Erwartung war schon im antiken Rom, dass die Gewählten ihre Familie und Sippe mitversorgt haben. (Mitarbeiter des E-Werkes muss für Strom nicht zahlen → Familie des Mitarbeiters muss dann auch keinen Strom zahlen, weil sie mit Mitarbeiter verwandt sind). Die Logik ist, dass wer an der Macht bleiben will, Wahlgeschenke machen muss, Der Generaldirektor des Stromwerkes könnte gegen Missbrauch vorgehen, hätte aber soziale Konsequenzen zurfolge (Streik, Sabotage). Auch hier gibt es keine Anreize, langfristig zu denken. Fremdes Geld für fremde Leute. Man ging Konflikten aus dem Weg, in dem man Ausgaben getätigt hat. Klassiker z.B. Schwimmbadbau 1974 in Deutschland. Kommunen konnten sich auf einmal ein Schwimmbad kaufen. Danach kam Ölkrise: Schwimmbäder wurden teuer, was viele Kommune in Not gerieten. Die Anschaffungsfolgen waren gering - die Folgekosten aber sehr hoch. Zu viel Geld war zu leicht zu haben. Dieses Problem tritt hauptsächlich in Schwellen- und Entwicklungsländern auf.

Verfügbarkeit

Geld ist in zu großer Menge zu leicht zugänglich.

Konsequenzlose Renditensuche

Renditensuche hat durch die Liberalisierung weder eine individuelle, strafrechtliche, moralische Konsequenz. Kredit kann zu leicht angeboten werden. Bei der Renditesuche gibt es einen doppelte moralische Aussetzer.

Massendynamik / Herdentrieb

„Too big too fail“. Wenn alle das machen, können nicht Alle fallen gelassen werden.

Unmöglichkeit, gegen den Strom zu schwimmen

Es gab keine Anreize, gegen den Strom zu schwimmen. Im Gegenteil, man wurde unter Druck gesetzt, sich auf bestimmte Weise zu verhalten, unverantwortliches Verhalten wurde sanktionslos. Wirtschaftsideologie (gewinne privatisieren, verluste sozialisieren) wurde geheiligt. Es wurde als „logisch richtig“ deklariert.

Transaktionskosten

Die Kosten von Geldzahlungen (Geld gegen Geld, nicht Geld gegen Gut) waren und sind zu billig, zu verführerisch. Im Finanzmarktbereich läufen die meisten Zahlungen digital und ohne menschlichen Zugriff. Dadurch entsteht ein unglaublicher Hebel, eine sich selbst verstärkende Dynamik, Das System kann sich zu einfach reproduzieren.

Maßnahmen

Sofortmaßnahmen ("palliativ")

Schuldenschnitt
Rücklagen und Garantien bei Banken erhöhen
Anti-Trust-Gesetze
Anklagen, Aufdecken, Ächten

Präventionsmaßnahmen

Provisions- und Boniwesen unterbinden
Schuldensperre / Schuldengrenze
Fiskalunion
Strafrechtliche Haftung verschärfen

Ein sehr heikles Thema, da es sich um eine Art „Wirkungshaftung“. Juristen: Wahrscheinlichkeit, dass ein Niemand eingesperrt wird (Maultaschenfall) ist höher, als dass einer, der Milliarden verzockt hat eingesperrt wird. Reform des Rechtssystems: Kein kodifiziertes Recht, sondern Fallrecht. Neue Rechtsinstrumente sind nötig. Klassische Gerichtsprozesse sind unglaublich teuer, dauern Jahre und sind oft unbefriedigend. Gesellschaftl. Konsens: Kredite nicht an Menschen verkaufen, die es sich nicht leisten können.

Neues Wirtschaftsparadigma
Transaktionskosten erhöhen

Bearbeitungsgebühren müssen geschaffen werden, für ökonomische Transaktionen die proportional zur Höhe des Kredites wachsen, um so ein wenig „Sand in die Räder“ zu streuen. VIel Geld kann und darf dann nur noch mit viel Aufwand transferiert werden.

Risikoaufschlag wäre denkbar für spekulative Transaktionen. So wie bei Versicherungen. Wer riskant lebt, muss höhere Beiträge zahlen. So können Derivate, Swaps, Rückversicherungen wegen ihres Systemrisikos zu einer Art Sozialabgabe werden.

Gesellschaftskonstante für Rendite

Renditen ab einer bestimmten Höhe (je nach Branche zw. 7 und 10 %), alles was darüber ist, ist letztendlich Gier. Um eine Rendite zu erwirtschaften, die deutlich darüber liegt, muss man übermäßig werden, man muss wuchern. Unternehmen, dass 25% Eigenkapitalrendite erwirtschaftet heisst dass entweder die Kunden zu viel Geld zahlen, oder aber dass die Mitarbeiter zu wenig Geld erhalten, oder dass die Lieferanten zu wenig Geld erhalten - unabhängig davon wie die Unternehmensbilanz aussieht (z.B. Apples strateg. Rücklagen).

Wieviel ist genug?

Fazit

Was wir letztendlich brauchen in der Finanzkrise ist eine Rückbindung des Geldes an das Menschliche und Soziale. Das erreicht man letztendlich durch viele, konkurrierende Gelder. Kein Wettbewerb des Geldes, sondern der Gelder. Nicht im Sinne von Euro und Yen, sondern mit Währungen, die unterschiedliche Dimensionen und Wertschätzungsräume abdecken (z.B. Regionalwährungen, Sozial- und Kulturwährungen). Das würde faktisch heißen dass man verschiedene Fächer im Geldbeutel mit verschiedenen Währungen hätte, die nur teilweise kompatibel sind. Das entscheidende ist, sich auf diese Art und Weise darauf zurück zu besinnen, was für ein WERT bei einer Transaktion generiert wird. Die Währungen treten in einen ähnlichen Wettbewerb miteinander, wie die Nationalwährungen. Die eigentliche Frage, um die es sich aus prozeduraler Sicht dreht ist: Wie kann das Ökonomische wieder mit dem Humanen in Übereinstimmung gebracht werden? Wie kann Wirtschaft, ein von Menschen geschaffenes, intendiertes Instrument, wieder dem Menschen dienen und nicht der Mensch dem System?

Aus ökonomischer Rationlität heraus rechnet sich das Humane derzeit nicht. Wie kann nun das Transferieren von Geld an das Soziale rückbinden? Wie können diejenigen, die über das Transferieren von viel Geld bestimmen, durch Prozeduren so eingebunden werden, sodass ihre Handlungen einen nachhaltigen Verantwortungseffekt haben. Dem Menschen sollen Prothesen gegeben werden, dass es ihm leichter fällt, die richtigen Dinge zu tun.

Das Gute an Geld ist, dass es sozial und human kein Ansehen der Person kennt. Pecunia non olet. Ob man schwarz, weiß, dumm, intelligent ist - wer das Geld auf den Tisch legt, bekommt sein Gut. Geld entpflichtet mich vor Mitmenschlichkeit. In dem Moment in dem ich eine Sache bezahlt habe, habe ich mich von sozialer Verantwortung freigekauft.

Die prozedurale Herausforderung ist, wie man das, was sich nicht in pekuniären Betrag übersetzen lässt, dennoch in die Logik und Sprache des Geldes transferiert bekommt, sodass es Bilanzrelevant wird (Positiv in der Bilanz, wenn mit Mitarbeitern gut umgegangen wird). Dafür ist das Thema der Konkurrenz der Währungen entscheidend.

4. Prozedurale Wissenschaft

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5. Prozedurale Kultur

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6. Prozedurale Religion

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7. Prozedurale ...

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prozedurale_politik.txt · Zuletzt geändert: 2012/11/15 16:26 von simon
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